MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Brigitte Baer
Weiter geht’s immer
Textilfacharbeiterin
Birkenweg 4
01796 Pirna-Jessen
Fon: 03501 / 525516
In ihrer einladenden, sehr gemütlichen Wohnung lebt Brigitte Baer, geboren am 28.04.1934 in Pirna, nun schon ein halbes Jahrhundert. Sie ist praktisch, häuslich veranlagt, kocht noch täglich ein schmackhaftes Mahl und ist ein wenig stolz darauf, ihren Haushalt noch selbst führen zu können.
Im Alter von nur sechs Jahren verlor sie schon ihre Mutter, wuchs bei Pflegeeltern in Bielatal auf und beabsichtigte, Säuglingsschwester zu werden – ein Wunsch, der sich nicht erfüllte.
So entschied sie sich, am Kunstseidenwerk eine Lehre zur Textilfacharbeiterin zu absolvieren, was sich als Glück heraus stellen sollte. Sie arbeitete sehr gern in ihrem Beruf. Allerdings war dieser Ära nur ein kurzer Zeitraum beschieden.
Sie heiratete und schenkte 1956 Sohn Uwe – heute tätig als Baggerführer – das Leben. Leider verlief die Geburt nicht komplikationslos. Seit diesem Jahr ist Brigitte Baer zu 70 Prozent schwerbehindert.
Obwohl sie kaum noch mit den Fingern zugreifen kann, benutzte sie ihre Hände. Brigitte Baer übernahm Heimarbeit für eine geschützte Werkstatt in Bad Gottleuba, produzierte später Tarnnetze für Soldaten der Nationalen Volksarmee und verarbeitete bis zur Wende Papier, woraus sie Schreibblöcke herstellte. Bestimmt waren diese für den Export in den westlichen Teil Deutschlands.
Nach der Wende gab sie die Heimarbeit auf, doch wartete in ihrer Wohnung sowie in großem Garten genug Arbeit auf sie. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie sich 2012 schweren Herzens von ihrer Parzelle verabschieden.
Im Privatleben ging ihre erste Ehe in die Brüche. 1959 heiratete sie ein zweites Mal und schenkte Sohn Michael das Leben. Dieser begab sich später in die Selbstständigkeit und ist in der Baubranche tätig. Ihr zweiter Ehemann starb 1994.
Seit nunmehr schon zwei Dekaden gestaltet Brigitte Baer alleine ihr Leben, doch Jammern kommt bei ihr nicht in Frage. Somit nimmt sie sich lächelnd selbst auf die Schippe und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Es geht immer weiter, frag mich bloß nicht wie.“
Vier Enkel erfreuen Herz und Seele ebenso wie gemeinsam verbrachte Stunden und Urlaube mit ihrer Freundin Gisela Leonhardt und deren Ehemann. Beide Frauen verbindet eine langjährige Freundschaft. Sie kennen sich schon aus der Schule, werden bis zum Ende des Lebens untrennbar verbunden sein und auch weiterhin ihre gemeinsamen Unternehmungen in Freude und Vertrauen gestalten.