MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert Baeßler
„Als Kind wollte ich Musikclown werden“
Schmied i. R.
Thomas-Müntzer-Str. 67
04860 Torgau
Herbert Baeßler wurde am 21.06.1930 als Sohn eines Postfacharbeiters und einer Landwirtin geboren. Mit Beendigung der 8. Klasse 1946, fand er sich mitten in der Nachkriegszeit wieder, die geprägt war von Entbehrungen und Notwendigkeiten. Tischler wollte er werden, doch Lehrstellen waren rar und so musste er nehmen, was er bekommen konnte und das war eine Lehrstelle als Schmied. Zwei Jahre lernte er bis 1948 in einer privaten Schmiede, schloss mit sehr guten Ergebnissen ab. Er lacht, während er erzählt, dass es damals noch Backpfeifen vom Lehrmeister gab – heute undenkbar. Ein Jahr blieb er im Ausbildungsbetrieb, wechselte dann in eine andere Schmiede. Drei gab es damals alleine in Dommitzsch – seinem Geburtsort. Lange blieb er auch in der neuen Schmiede nicht, „da war das Essen nicht gut“, sagt er und kräftige Kost brauchte ein so körperlich anstrengendes Handwerk schon. Der Verdienst war so gering, dass er sich nicht einmal leisten konnte für 95 Pfennig ins Kino zu gehen. Um sich besser zu stellen wechselte er ins Tonwarenwerk Dommitzsch als Einsetzer. Doch den jungen Mann zog es in die Stadt und so ging er nach Torgau in die LPG „Neues Leben“, arbeitete hier im erlernten Beruf. Pferde beschlagen, Häcksler, Kartoffelkombinen, Mähdrescher reparieren und vieles mehr zählte nun zu seinen Aufgaben. Ein erneuter Wechsel des Arbeitsplatzes wurde notwendig, als er seine Frau Ingeborg kennen lernte (verstorben 2008), heiratete und 1960 zu seinen Schwiegereltern zog. Im Hoch- und Tiefbau als Schlosser tätig, blieb er hier bis zum Eintritt in die Rente 1990. Dass er heute noch so fit ist verdankt er zwei Dingen: Zum einen hat er in jungen Jahren gerne und viel Sport getrieben (Boxen und Geräteturnen), zum anderen hat er heute eine Lebensgefährtin Helga, mit der er zwar getrennt wohnt, aber viel gemeinsame Zeit verbringt. So hat er seinen ganz persönlichen Zusammenhalt gefunden, den er seit der Wende ansonsten zwischen den Menschen vermisst. Er ist ein fröhlicher Mensch, singt gerne, macht Musik, geht ab und an zum Seniorentanz. Seine Vogelzucht betreibt er nicht mehr, erinnert sich aber gerne an die Preise, die er mit seinen Exoten errungen hat.