MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Regina und Werner Fischer
„Wir übermitteln den Kinder und lernen indessen auch von ihnen – es ist ein Miteinander“ (Regina Fischer)
Landwirtin
Landwirt, Bergmann
Neumohlis 5
01665 Käbschütztal
Das Mädchen Regina Rauchfuß wurde 1942 in Dresden als eins von elf Kindern geboren. Sie wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, denn der Vater entzog sich der großen Verantwortung. Befragt dazu wie ihre Mutter das geschafft hat, berichtet sie davon mit ihren Geschwistern bis zum 11. Lebensjahr die meiste Zeit in verschiedenen Kinderheimen verbracht zu haben. „Was die da heute von den DDR-Kinderheimen erzählen stimmt ganz und gar nicht! Ich habe das nicht erlebt!“ sagt sie zornig und erklärt weiter, dass sie es im Kinderheim besser hatte als zu Hause. Geborgenheit und Wärme habe sie erlebt und vor allem verlässliche Strukturen. Zu Hause ging es da eher drunter und drüber. Dass die Mutter sie zwischenzeitlich immer einmal wieder aus dem Heim holte, führte zum Wechsel der Heime, damit bedingt zu ständigem Schulwechsel und war für die Entwicklung eines Kindes nicht gerade förderlich. „Spindeldürr und ganz klein hieß es nach der 8. Klasse: ab in die Landwirtschaft....,“ berichtet Regina Fischer davon die Berufswahl verordnet bekommen zu haben. In der LPG „Freundschaft“ Arnsdorf lernte sie drei Jahre den Beruf Landwirtin. Nach Ausbildungsende kehrte sie der LPG den Rücken und nach Hause zurück. Sie arbeitete erst als Telefonistin, erlag dann aber dem Aufruf „Jugend auf’s Land“ wegen einem finanziellen Versprechen, das dann nicht gehalten wurde. Doch ein Gutes hatte das alles: Sie lernte Ihren Mann Werner kennen, der gleichem Lockruf gefolgt war. 1961 heiratete das Paar. Die Kinder Elvira (1962), Annett (1964), Sylvia (1967) und Grit (1972) wurden geboren. „Bei Nacht und Nebel“ waren sie zuvor dem Land-Sondereinsatz entronnen und nach Hause zurückgekehrt. Wegen der Geburt und zur Betreuung der Kinder nahm Regina Fischer eine Heimarbeit auf und fertigte Einweckbügel. „Es gab nirgends Kindergartenplätze, doch wir wussten in der Landwirtschaft gab es welche und so gingen wir doch wieder in die Landwirtschaft zurück,“ erzählt Regina Fischer und davon auch eine Neubauwohnung erhalte und 1972 ein Haus erworben zu haben. Die LPG hat bei dem Umbau gut unterstützt. Auch Materialbeschaffung war dadurch kein Problem. Regina Fischer arbeitete wieder im Stall und war glücklich gegenüber vom Konsum zu wohnen, in dem sich neben dem Einkauf auch das Dorfleben abspielte – als Treffpunkt aller Einwohner. „Und Hilfe hatten wir immer. Jeder hat gefragt, ob man was braucht, ob geholfen werden kann – so war das vor der Wende,“ sagt Regina Fischer. Sie wechselte später von der Landwirtschaft in einen Delikat-Laden, arbeitete nach der Wende auf dem Schlachthof, in der Fleischindustrie und im Möbelverkauf bis sie mit 55 Jahren in die Rente ging. Werner Fischers Arbeitsplatz in der Landwirtschaft änderte sich nach Wende bis zur Rente nicht. 1941 geboren, wäre er gerne im Anschluss an die Schule Kfz-Mechaniker geworden. Doch nach Abschluss der 8. Klasse konnten die Eltern (in Westdeutschland lebend) das Lehrgeld für diesen Beruf nicht aufbringen und so wurde Werner Fischer Bergmann. Drei Jahren Lehre folgte ein Jahr Arbeit unter Tage. Arbeitslos geworden, verdingte er sich ½ Jahr im Straßenbau und kehrte mit seinen Eltern 1958 nach Dresden zurück. Als Bergmann konnte er nicht mehr arbeiten. Seine Bewerbungen wurden abschlägig beantwortet weil er „aus dem Westen kam“. Schließlich kam er als Aushilfsheizer in einer Schnapsfabrik unter. Nach seinem Abstecher in die Landwirtschaft, bei dem er seine Frau kennenlernte, arbeitete er im Trafowerk als Kernschichter. Und nach Beendigung seines Pflichtwehrdienstes (1962 / 1963) arbeitete er bis 1969 in einer Gießerei. Dann ging er gemeinsam mit seiner Frau in die Landwirtschaft um den familiären Herausforderungen zu entsprechen. „Und wir waren Eigenversorger,“ berichten die Eheleute von zusätzlicher Arbeit und Lieferung an Annahmestellen und damit verbundenem Zuverdienst. „Wir würden alles wieder so machen“ schauen die Beiden auf ihr Leben zurück. Sie sind stolz auf ihre Kinder, die acht Enkelkinder und die fünf Urenkel und wünschen auch Ihnen alles Glück dieser Welt. „Jetzt geht es nach Bulgarien und nach Ägypten....“ freuen sich die Fischers auf bevorstehenden Urlaub und über jetzige Reisefreiheit.