MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Lieselotte Fischer

„Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.“ (Eduard Möricke)

Lieselotte Fischer

Landwirtin
Kreißa 18
01683 Nossen

Als eine von zwei Töchtern wurde das Mädchen Lieselotte 1929 in Kreißa geboren. „Da gegenüber die Wirtschaft, dort stamme ich her. Das hier haben wir dann neu gebaut. Ich bin nie von Kreißa weggekommen“ erzählt sie von der Landwirtschaft der Eltern und weiter von ihrer eigenen Entwicklung: Junge Mädchen waren ihre Schwester und sie als der Krieg zu Ende ging. Ein russischer Kriegsgefangener arbeitete auf dem elterlichen Hof. Er wurde immer gut behandelt, erzählte viel von seiner eigenen Familie in Russland. Dann war es soweit, das Kriegsende nahte. Trecks mit schlesischen Flüchtlingen trafen im Ort ein und fast zeitgleich die russischen Panzer. Auf der Kommandantur musste sich die Mutter melden, ihr Kriegsgefangener Auskunft über die erfahrene Behandlung geben. Er berichtete positiv. Das rettete die Familie vor Repressalien nicht aber vor der Angst die umging. Die russischen Soldaten strichen durch den Ort, die freigelassenen Gefangenen aus dem Gefängnis Waldheim plünderten in ihm. Die Familie verließ den Hof, flüchtete vorübergehend zu Verwandten. Nach der Rückkehr versteckten sich die Mädchen, denn man berichtete von Vergewaltigungen. Tags auf der Hut, nachts im Versteck eines Seitengebäudes schlafend, erlitten sie kein Leid. 1935–1943 hatte Lieselotte die Schule besucht, danach ein Jahr die Haushaltsschule absolviert. Auf keinen Fall wollte sie danach ihre berufliche Zukunft in der Landwirtschaft verbringen. Gerne wäre sie Kinderkrankenschwester geworden, doch nach Wünschen ging es damals nicht, sondern nach Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Nach der Hauswirtschaftsschule war sie ein Jahr bei einer Lehrerfamilie als Haushälterin tätig. Aber auf dem elterlichen Hof gab es Probleme. Der Kriegsgefangene war nicht mehr da, der Vater 1944 gestorben, die Hilfe von Heimkehrern nur vorübergehend. Als mithelfendes Familienmitglied musste die junge Frau dann doch der Mutter in der Landwirtschaft unterstützend zur Seite stehen. 1951 heiratete sie ihren Mann Werner (Landwirt). Von nun an war auch der Hof seiner Eltern mit zu bewirtschaften. Die Söhne Johannes (Schlosser), Joachim (Maurer) und Karl-Heinz wurden geboren (Klempner). Siebzehn Enkel und zwölf Urenkel wuchsen später der Familie zu. „Das ist wunderbar, wenn irgendetwas ist, einer kann immer helfen“ freut sie sich über die handwerklichen Fähigkeiten der Söhne. Als die Kollektivierung in der Landwirtschaft einsetzte, weigerte sich Werner Fischer der LPG beizutreten. Doch das private Wirtschaften (4 Hektar Land) stand unter keinem guten Stern. Zu harte Arbeit, zu viel Stress, zu wenig Unterstützung, zu viel Verantwortung führten zu mehreren Schlaganfällen und schließlich zur Invalidität und zum Tod 1999. Lieselotte Fischer arbeitete zeitweise im Feldbau der LPG und zusätzlich in der eigenen privaten Wirtschaft im Ackerbau und der Viehzucht, einschließlich der Pferdezucht. Mit 63 Jahren ging sie in die Rente, kümmerte sich um ihren erkrankten Mann. Ein wenig Viehzucht (Schafe) betrieb sie anfangs noch, doch heute ist das vorbei. Das Land ist verpachtet, der Hof Abstellfläche. Rückblickend ist sie besonders stolz auf die Harmonie die stets in der Familie herrschte, wobei sie auch sagt: Glücklich bin ich, wenn alles so geht wie ICH will!“. Sie lebt noch immer selbstbestimmt, kümmert sich selbst um Haus und Garten. Mit den Kindern und Enkeln fühlt sie sich am wohlsten und bei deren hoher Anzahl hat „ja immer mal einer Geburtstag und da sind wir wieder alle zusammen“ meint sie glücklich. Ihr größter Wunsch ist es weiter ihren klaren Verstand zu behalten und „dem Großen“ noch immer helfen zu können. „Der ist ja alleine, dem mache ich die Wäsche“ sagte die hochbetagte und doch noch so agile Frau, die viel Arbeit gewöhnt ist.
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