MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Regina und Gerhard Fischer
Ein gutes Tandem, doch jeder mit eigenem Rad
Former
Fräserin
Chemnitzer Str. 77 a
09217 Burgstädt
Als Frau Regina 1945 in Burgstädt geboren wurde, war der Krieg gerade vorbei, dennoch warteten schwere Kinderjahre auf sie, denn die Eltern ließen sich scheiden. Die Mutter übertrug der kaum zehnjährigen Regina fast alle Aufgaben der Hauswirtschaft und die Aufsicht über die kleinere Schwester. Erst in den letzten Schuljahren wuchs Regina bei den Großeltern auf. Diese erhielten dann auch das Erziehungsrecht. Von 1952–1962 besuchte die junge Regina die Ernst-Schneller-Schule. Nach dem Abschluss der 10. Klasse suchte sie sich selbst eine Lehrstelle, fand sie beim VEB Spinnereimaschinenbau Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) als Fräserin. In diesem technischen Beruf fühlte sie sich wohl, ungeachtet der fast ausschließlich männlichen Kollegen. Nach der Lehre fand sie eine langjährige Tätigkeit, unterbrochen von Zeiten der Kindererziehung, im VEB Schär- und Spulmaschinenbau Burgstädt (Teil des Kombinates Textima – Textilmaschinenbau). Als Fräserin im Fertigungsbau hatte sie abwechslungsreiche Aufgaben und qualifizierte sich zur Sachbearbeiterin für Maschinenersatzteile. Als der Betrieb 1993 dicht machte, war sie kurz arbeitslos, begann dann bei der TOP-Cleaning GmbH in Hohenstein-Ernstthal. Für die wechselnden Arbeitsstellen, die ihr in der Objektreinigung anvertraut waren, drückte sie mit fünfzig Jahren erfolgreich die Fahrschulbank (eine Erfahrung, die sie ihrem Mann voraus hat). Gerhard Fischer hatte sie einst in der Gaststätte „Lindengarten“ kennengelernt, er konnte zwar nicht tanzen, hatte aber fast den gleichen Heimweg. 1965 wurde geheiratet, dann kamen die Söhne Kai, Jens und Sven zur Welt. Mit 61 Jahren ging Regina Fischer in Rente, arbeitete danach noch auf 450-€-Basis. Gerhard Fischer ist ebenso seit seiner Geburt 1944 Burgstädter. Er wuchs als Einzelkind auf, besuchte die Diesterwegschule und schloss 1959 mit der 8. Klasse ab. Drei Jahre dauerte seine Lehre als Former in einer Gießerei. Beim VEB Erste Maschinenfabrik Karl-Marx-Stadt im Stadtteil Borna (später ERMAFA GmbH) blieb er 47 Jahre, nur unterbrochen von der dreijährigen Dienstzeit im Wachregiment Berlin. Mit handwerklichem Gespür und gereifter Erfahrung sicherte er dann wieder die Herstellung von Gussteilen für die Industrie. Dazu wurde ihm die Lehrausbildung übertragen. Seine Arbeit wurde mit der Aktivistennadel anerkannt, das Vertrauen seiner Kollegen führte einige Jahre zum Einsatz als Betriebsrat. Schon in seiner Jugend wurde aus alten Teilen das erste Fahrrad zusammengebaut.
Seine Freude an Radtouren teilte später seine Frau. Gemeinsam waren sie oft unterwegs, die größte Reise führte beide von Köln den Rhein hinauf bis zum Bodensee.