MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irma und Siegfried Fischer
„Wir haben ein gelungenes Leben geführt.“
Bäuerin i. R.
Reichsbahner und Selbstständiger, Hofmeister i. R.
Am Hackberg 11
09648 Mittweida / OT Falkenhain
Wünsche hat Siegfried Fischer heute keine mehr: „Was ich bis jetzt nicht geschafft habe, kommt auch nicht mehr. Bis zu diesem „jetzt“ habe ich allerdings richtig gelebt gelebt.“ Dieses prallvolle Leben war gekennzeichnet von harter Arbeit, welche sich mit wundervollen Freizeiterlebnissen abwechselte.
Geboren am 16.07.1926 in Waldheim, besuchte er die 8-Klassen-Schule sowie die Handelsschule und verbrachte die Lehrzeit bei der Eisenbahn, wo sein Bruder schon arbeitete. Die Lehrzeit wurde jäh durch die Einberufung zur Wehrmacht unterbrochen. Einsätze in Frankreich, Ungarn, der Slowakei und Polen waren die Folge. Nach geglückter Flucht, am 16.05.1945 wieder zu Hause, fand er erneut Arbeit bei der Reichsbahn. Gemeinsam wollten sie an die Reichsbahnhochschule nach Berlin. Leider wurde dies wegen "fehlender Parteizugehörigkeit" versagt. Siegfried Fischer verließ die Bahn und nahm im Motorbootbetrieb Talsperre Kriebstein bei seiner künftigen Schwiegermutter, die Arbeit auf. Im Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949 begann er gemeinsam mit der Schwiegermutter den Motorbootbetrieb mit den von der Wehrmacht nicht beschlagnahmten Motorbooten wieder zu betreiben. Er arbeitete sich notgedrungen in handwerkliche Gewerke, wie Tischler, Schlosser usw. ein. Der Bedarf an Fahrgastschiffen war so groß, dass ein weiteres Boot benötigt wurde. Von der Elbe, wo es als Frachtschiff außer Betrieb gestellt war, wurde es nach Kriebstein geholt und über Winter von nur drei Mitarbeitern zum Fahrgastschiff umgebaut. Doch alle Anstrengungen waren vergebens. Wegen der politischen Entwicklung im Land wurde das Unternehmen zwangsverpachtet.Das Stehaufmännchen Siegfried Fischer ging seinen Weg unbeeindruckt weiter, machte sich selbstständig, legte mit seiner ersten Frau eine Obstplantage an. Schnell wurde von Erdbeeren auf Narzissen und 200 Hühner umgestellt. Zweimal in der Woche wurden jeweils zehntausend Narzissen ins Gebirge geliefert. Nebenbei noch Verkaufsstellenprüfer, trug man ihm an, den Konsum-Kiosk am Bad in Falkenhain zu übernehmen. Auch dieser Aufgabe stellte er sich mit Erfolg drei Jahre lang. Mit Beendigung dieser Tätigkeit kam es leider zur Scheidung, doch beruflich wartete schon die nächste Aufgabe auf einen Mann, der in der Lage ist, aus Niederlagen Kraft zu schöpfen. Er wurde Hofmeister in der Spinnerei Weißthal. Später arbeitete er mit seiner zweiten Frau in der rollenden Woche um seine fünfwöchigen Urlaube nach Rumänien und Bulgarien besser durchführen zu können.
Irma Fischer, geboren am 23.12.1927 in Hohenpetersdorf / Schlesien, wuchs in idyllischem Umfeld auf. Ihre Familie betrieb eine Wassermühle mit Sägewerk und Landwirtschaft. Nach Vertreibung nutzte sie ihre Vorkenntnisse und arbeitete bei einem Bauern. Später wechselte sie in den VEB Kunstblume und dann in die Spinnerei Weißthal. Mehr als arbeitsam, galt sie bei jeder Anstellung als die Beste und durfte vielfach Auszeichnungen entgegen nehmen.
Für Ausgleich sorgten 5-wöchige Reisen nach Rumänien und Bulgarien, nach der Wende nach Cuba, auf die Malediven, die Seychellen und vieles mehr.
Er führt die Ahnentafel seiner Familie, fand durch Zufall seine geliebte Schiffsglocke wieder. „Wir haben trotz allem ein gelungenes Leben geführt“, sagt er heute.