MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Inge Findeisen
„Du bist, was du warst, du wirst sein, was du tust.“ (Buddha)
Kindergärtnerin
Oederaner Str. 22
09575 Eppendorf
Im heute bewohnten Haus wurde die Tochter eines Stellmachers und einer Hausfrau 1940 geboren. Befragt zu ihrer Kindheit, berichtet sie von der Bombardierung Dresdens als prägendstes Erlebnis. Weiter auch von der Einquartierung zwölf russischer Soldaten 1945–1946 und deren Schießübungen auf den vom Großvater gepflanzten Apfelbaum. Noch wird er deshalb von allen der „Russen-Apfelbaum“ genannt. Manchmal bekam ihre Mutter von den Einquartierten Milch oder ein Stück Fleisch geschenkt – hilfreich in der kargen Nachkriegszeit. 1947–1955 besuchte die kleine Inge Schmidt die Schule in Eppendorf. Noch heute treffen sich die ehemaligen Schüler regelmäßig. Erst wenn sie 65 Jahre aus der Schule sind wollen sie die Treffen einstellen, denn wegen zunehmenden Alters wird die Teilnahme für so manchen nun schwierig. Nach der Schulzeit konnte sich Inge Schmidt ihren Berufswunsch erfüllen und mit der Lehre zur Schneiderin in die Fußstapfen ihres Großvaters (Herrenschneider) treten. Als erster Lehrling eines gerade in die Selbstständigkeit getretenen Meisters wurden große Anforderungen an sie gestellt. Die bewältigte sie gut, aber der Lehrmeister wollte sie dann doch nicht weiter ausbilden. Seine Aufträge waren rückläufig und er sann darauf das junge Mädchen woanders unterzubringen. Inges Mutter setzte dem Gerangel um ihre Tochter ein Ende. Kurzerhand wurde die Schneiderlehre abgebrochen und die Arbeit in einem Baugeschäft aufgenommen. Vom Haushalt bis zu Büroaufgaben erledigte sie hier alles anfallende. Viel Verdienst erlangte sie damit nicht. Weil sie aber das Nähen gelernt hatte und die Schuhfabrik Kranich gerade eine Näherin suchte, nutzte sie die Chance auf Veränderung und fing dort an. Neben Ihrer Arbeit gefiel ihr besonders, dass sie oft abgestellt wurde um während der Ferien im Kinderferienlager des Betriebes als Erzieherin Betreuungsausgaben zu übernehmen. 1958–1960 holte sie die mittlere Reife nach und schuf damit die Voraussetzung für eine Neuorientierung im Berufsleben. Kindergärtnerinnen wurden gesucht und Inge Findeisen hatte ihre Liebe zu diesem Beruf entdeckt. Indessen selbst verheiratet (Hochzeit 1961 mit Armin Findeisen, Kraftfahrer und Maurer) und Mutter eines Sohnes (Ingolf, geb. 1962, Schweißer) nahm sie eine entsprechende zweijährige Ausbildung auf und wurde im Anschluss als Kindergärtnerin tätig (Leubsdorf 1962–1963, Eppendorf 1963–1975). In dieser Zeit kam Sohn Andre (geb. 1966, Maler) zur Welt. Die Söhne konnten den Kindergarten der Mutter besuchen, was ihre eigene Weiterbeschäftigung zuließ. Indessen stellvertretende Leiterin des Kindergartens wurde sie 1975 Leiterin der Kindergärten Schellenberg und Marbach. 1980–1996 war sie im Kindergarten Kleinhartmannsdorf tätig. Nach der Wende verlor sie erst die Leitungsfunktion, dann ihren Arbeitsplatz wegen Stellenabbau. Arbeitslosigkeit wurde von ABM in der Bücherei Eppendorf abgelöst. Als Aushilfskraft konnte sie im Anschluss bis zum Renteneintritt in der Bücherei ihr Geld etwas aufbessern. Heute führt sie die Bücherei im Ehrenamt weiter. Ihre Arbeit war stets ihr Lebensinhalt. Davon zeugen auch erhaltene Auszeichnung wie z. B. der „Aktivist der sozialistischen Arbeit“. Sie ist ein Energiebündel mit Optimismus, Organisationstalent, offen und zielstrebig. „Jedes Problem wird gelöst, du musst es einfach sehen und einen Weg überlegen....“ sagt sie selbstverständlich. Mit Stolz und Freude erfüllen sie die Erinnerungen an die Berufszeit: Der Umgang mit den Kindern, das Entwickeln von Fähig- und Fertigkeiten der Kleinen, die kreativen Möglichkeiten, die weiterführenden Anforderungen.... Basteln und Gestalten sind heute noch ihre Lieblingsbeschäftigungen. In der Frauengruppe der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e. V. ist sie sehr aktiv. „Und hierbei habe ich soviel vom Bergbau gelernt....“ berichtet sie und davon sowieso historische Bücher besonders zu lieben. „Ich bin ja auch eine Reisetante....“ erzählt die quirlige Frau weiter und man kann gut nachvollziehen, was sie nicht mag: Geschwätz und Passivität. Beides ist ihrem eigenen Wesen total gegensätzlich!