MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Erika Fischer
Mit Bescheidenheit und Gelassenheit durchs Leben
Zwirnerin, Schirmnäherin
Chemnitzer Str. 8
09569 Oederan
Als Erika Richter kam sie 1940 in der Grafschaft Glatz zur Welt. Ihren schlesischen Geburtsort Schlegel mussten die Mutter, ihre Schwester und sie nach dem Krieg verlassen. Da war der Vater, als Bergmann im Schacht tätig, bereits tot, er verunglückte als die kleine Erika gerade ein Jahr alt war. Ihre Mutter trug nun die ganze Last für die kleine Familie, wurde so zum Vorbild. Die Flüchtlinge landeten im sächsischen Flöha, dann wurde ihnen eine Wohnung in Oederan zugewiesen. Nach achtjährigem Schulbesuch (1946–1954) konnte eine Lehre als Zwirnerin im VEB Oederaner Nähfadenfabrik begonnen werden. Nach zwei Jahren war die junge Erika Facharbeiterin, blieb weitere dreizehn Jahre, arbeitete meist in zwei Schichten, gelegentlich in drei, wenn dringende Exportaufträge abzuwickeln waren. Mit ihrem Mann Ottmar, den sie beim Tanz kennengelernt und im Jahr 1960 geheiratet hatte, konnte das Grundstück erworben werden, in welchem sie bis dahin zur Miete gewohnt hatten. Mit Liebe, Geschick, freundlicher Hilfe und unter Einsatz ihrer Geldmittel konnten sie vom Dach bis zur Heizung und den Fenstern nach und nach alles auf wohnlichen Stand bringen. Inzwischen hat sich Sohn Mario das Dachgeschoss für die eigene kleine Familie herrichten können. Als sich der Schirmmacher Heinz Oeser mit seiner Werkstatt auf dem Grundstück ansiedelte, ergab sich eine neue berufliche Chance für Erika Fischer. Der 1961 geborenen Tochter Simone folgte 1970 Sohn Mario und brauchte intensivere Betreuung. Deshalb entschloss sich Erika Fischer in Teilzeit für die Fa. Oeser tätig zu werden, ließ sich zur Schirmnäherin umlernen. Dreizehn Jahre war dies die beste Lösung, dann waren die Kinder selbständiger und der Verdienst in der noch volkseigenen Industrie besser. So fuhr sie die folgenden Jahre wie ihr Mann, der dort als Spinner tätig war, zur Arbeit in den Nachbarort Falkenau, wo eine große Baumwollspinnerei ihren Standort hatte. Hier arbeitete Erika Fischer bis es Zeit wurde, in den Ruhestand zu gehen. Nun, da ihr Mann 2010 verstorben ist, freut sich Erika Fischer an den Kindern und den inzwischen drei Enkeln. Im beliebten Gasthof „Räuberschänke“ ist sie seit zehn Jahren mit ihren Freundinnen (und manchmal auch deren Männern) regelmäßig beim Bowling anzutreffen.