MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Eberhard Fischer
„Schaffen muss es jeder allein
Leopoldstr. 2
06800 Jeßnitz OT Raguhn
Fon: 03494 / 26256
Eberhard Fischer, 1939 geboren, hatte nach dem Abschluss der 8. Klasse den Wunsch Elektriker zu werden. Da er keine entsprechende Lehrstelle erhielt, lernte er Chemiefacharbeiter (1954–1956). Im Anschluss nahm er die Arbeit im VEB Wasserglas Wurzen / Dehnitz auf. Sein erster Verdienst für eine Arbeit in drei Schichten betrug 260 Mark im Monat. Er wollte sich entwickeln, bewarb sich an der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF). Die nötigen Voraussetzungen: Ein gutes Facharbeiterzeugnis und ein Jahr produktive Arbeit in einem Volkseigenen Betrieb brachte er mit. 1957–1960 erlangte er hier das Abitur und damit die Grundlage sein Studium an der Technischen Hochschule Leuna / Merseburg aufzunehmen. Doch der junge Mann war unstet, was zu seiner Exmatrikulation nach sechs Semestern und Rückkehr in die Wasserglasfabrik 1963 führte. 1964 wechselte er in die Filmfabrik Wolfen, wo er 27 Jahre lang arbeitete. Erst als Produktionsarbeiter in der Begießerei in drei Schichten, später nach Abschluss eines Abendstudiums an der Ingenieurhochschule Köthen (Ingenieur für chemische Technologie) als Brigadier, Schichtleiter und Betriebsteilleiter. Nach der Wende war es dann eine seiner letzten Aufgaben die 1400-Mann-Belegschaft dieses Betriebsteils auf 200 Leute zu minimieren – emotional eine sehr nahe gehende Situation, mit dem Ergebnis, dass letztendlich bei weniger Arbeitskräften auch weniger Leitungskräfte erforderlich waren und er sozusagen mit dem Abbau des Personals auch seine eigne Entbehrlichkeit vorbereitet hatte. 1991 wurde er entlassen. Als mittleres Leitungspersonal eines sozialistischen Betriebes, hatte er in der westlichen Wirtschaft keine Chance, trotz seiner nachweislich qualifizierten und engagierten Arbeit, die sich in der achtfachen Auszeichnung als Aktivist widerspiegelte. Ohne je wieder arbeitsmäßig richtig Fuß zu fassen erreichte er die Rente. Rückblickend auf die politischen Ereignisse und die heutigen Ergebnisse schätzt er ein, dass die DDR daran zu Grunde ging, dass man meinte mit Politbürobeschlüssen wirtschaftliche Prozesse lenken zu können. Er betrachtet als Zugewinn heute die bessere Realisierung des Leitungsprinzips. Als trockener Alkoholiker (seit 16.07.2000!) arbeitet er seit 2001 ehrenamtlich in der Suchtselbsthilfe und weiß um den Sachverhalt, dass die Hilfe zur Selbsthilfe im Kopf des Betroffenen beginnen muss, vor allem auch mit der Erinnerung an die negativen Seiten des Konsums und Pegelabfalls. Er möchte diese Zeiten nie wieder erleben und anderen helfen gleiches zu vermeiden. Helfen kann er dabei, aber schaffen muss es jeder allein, sagt er und geht mit Gleichmut über diese große Leistung hinweg, die er im Kampf gegen den Alkohol für sich und andere vollbracht hat.