MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rosel und Horst Felker
In der Turnhalle hat es gefunkt
06217 Merseburg
Sie sind seit 1971 glücklich miteinander verheiratet und wohnen in Merseburg im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Horst und Rosel Felker haben einen Sohn (Carsten, geboren 1972) und zwei Enkelkinder (Fritz ist 16, Oskar acht Jahre alt). Die Familie sowie ein großer Freundes- und Bekanntenkreis bedeuten den beiden Eheleuten sehr viel. Sie sind gerne unter Menschen, pflegen die Geselligkeit und so manche Tradition in Verbindung mit Freizeitsport wie dem Wandern und Kegeln. Kennengelernt haben sie sich 1968 beim Handball- Training bei der BSG Chemie Leuna in einer Turnhalle. Horst Felker, geboren 1942 im heutigen Lodz (Polen), kam als Sohn einer Schneiderin zur Welt. Der Vater, ein gelernter Stellmacher, war als Pilot im Zweiten Weltkrieg über Kreta abgeschossen worden. 1950 kam Horst Felker als Umsiedler mit Mutter, Oma und der zwei Jahre älteren Schwester in die DDR, zuerst nach Wolfen, dann nach Leuna bei Merseburg. Ursprünglich wollte er nach der 8. Klasse Technischer Zeichner werden. Doch Horst Felker machte 1958-1961 eine Lehre zum Dreher in Leuna. Er konnte danach in der Werkzeugmacherei im Werk anfangen und arbeitete in zwei Schichten. Zwischenzeitlich leistete er 1962–1964 seinen Ehrendienst bei Grenztruppen der Nationalen Volksarmee. Sein Betrieb delegierte ihn 1970 zur Meisterschule an die Leunaer Betriebsakademie. Horst Felker besuchte die Einrichtung bis 1972 und wurde als Meister im neugebauten Werk II eingesetzt, wo er ein 30-köpfiges Kollektiv leitete. Seine Mitarbeiter fertigten - nur für den Eigenbedarf der Leuna-Werke – benötigte Ersatzteile wie Bolzen, Schrauben und Muttern. Mit seiner jungen Familie wohnte er mit Frau und Sohn noch bei den Schwiegereltern in Beuna, bekam aber 1972 eine Dreiraum-Neubauwohnung in Halle-Neustadt. Im November 1974 beendete er seine Arbeit in Leuna und begann im Ratio-Betrieb Halle-Nietleben. Nun zuständig für 80 Mitarbeiter, die Rohrleitungen und Behälter für Zementwerke in der DDR bauten, absolvierte Horst Felker parallel ein Fenstudium an der Ingenieurschule für Kraft- und Arbeitsmaschinen in Meißen (1971–1974). Der Maschinenbauingenieur wurde als Bereichsleiter eingesetzt, dem im Ratio-Betrieb 120 Beschäftigte unterstanden. „Zur Wende wollte keiner mehr unsere Produkte haben“, erinnert er sich. Der Betrieb wurde abgewickelt (1993), Horst Felker verlor seine Arbeit, schulte zwei Jahre um zum Technischen Redakteur und stieg nach einem Praktikum als Arbeitsnormer bei einem Wohnungsunternehmen in Halle-Neustadt ein (1994). Es folgte ein stressiges Berufsleben mit Termindruck, er erkrankte an Darmkrebs, wurde dreimal operiert. Als EU-Rentner unterstützte er seine Frau und übernahm gern die Enkelbetreuung. Rosel Felker, geboren 1949 in Beuna, hat nach der 10. Klasse im Großhandel gelernt und im Frauensonderstudium (1971–1974) ihren Handelsökonom gemacht. Mehrere Jahre leitete sie in Halle-Neustadt das Kaufhaus „Magnet“ (nach der Wende Kaufcenter). Im Müller-Kaufhaus arbeitete sie zunächst als Verkäuferin, dann bis zu ihrem 55. Lebensjahr als Abteilungsleiterin. Im Jahr 2004 wechselte sie aus persönlichen Gründen ihre Arbeitsstelle. Bis heute ist sie als Rentnerin immer noch berufstätig, allerdings nur noch verkürzt, die gute Fee im Büro eines privaten Unternehmers. „Meine Arbeit, egal, wo ich war, hat mir immer viel Spaß gemacht“, hebt die einfühlsame Frau mit dem ausgeprägten Helfersyndrom hervor. Und weil sie zusammen mit ihrem Mann Horst noch lange gesund bleiben will, tut sie dafür seit Jahren viel. Sie hält sich fit mit Fahrradfahren – auch auf ihrem Weg zur Arbeit.