MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Doris Festersen
Die härteste Schule des Lebens
Unterstufenlehrerin und Erzieherin
17033 Neubrandenburg
Schlimmste Grausamkeiten, Berge von Leichen gehörten zu den Kindheitseindrücken von Doris Festersen, dabei hatte sie, 1937 in Königsberg geboren, doch hier in Ostpreußen eine so schöne erste Kinderzeit erleben können. Doch der Krieg, mit dem die faschistische Wehrmacht Polen, Russland, das Baltikum überzog, schlug ab 1944 mit Bombardierungen und der russischen Besetzung unbarmherzig zurück. Doris Festersens Vater (Kolonialwarenhändler) kehrte nicht zurück, ihre nahe Verwandtschaft rafften Gewalt und Hunger dahin. Nur mit ihrer Mutter überlebte sie schwere Jahre, die Mutter, als geschickte Schneiderin, hielt beide über Wasser, auch wenn es ein Tränensee wurde. 1948 wurden sie ausgesiedelt, konnten unter bescheidenen Verhältnissen im thüringischen Arnstadt den Neuanfang wagen, anfangs durch lange Krankheit geschwächt. Doris Festersen hatte viel versäumt, konnte nun Klasse für Klasse aufholen, fand nach dem Abschluss der Schulzeit als Heimerzieherin die ihr gemäße Aufgabe bei der Betreuung des Nachwuchses, gab Geborgenheit, die ihr so lange selbst versagt geblieben war. Nach einer Ausbildungsphase in Nordhausen wirkte sie im Kinderheim der Deutschen Reichsbahn, konnte im Fernstudium in Erfurt einen Abschluss in Grundschulpädagogik erreichen. Während des Studiums hatte sie ihren Mann Olaf kennengelernt, Sohn Torsten wurde geboren. Als ihr Mann nach der Heirat (1959) nach Mecklenburg delegiert wurde (Blankensee bei Schwerin war seine Heimat), blieb sie noch in Arnstadt, bis endlich eine kleine Wohnung in Neubrandenburg gefunden wurde, wo Olaf Festersen, studierter Gartenbauingenieur, eine Anstellung im Büro für Gebiets-, Landschafts- und Gartengestaltung erhielt. Doris Festersen begann als Lehrerin und Horterzieherin erst an der 1. Polytechnischen Oberschule (POS), wechselte später zur 7. POS und fand dann bis zum Vorruhestand 1992 an der Körperbehindertenschule und Sonderschule wichtige Aufgaben. Dann widmete sie sich bis zu deren Tod 1994 der Pflege ihrer Mutter.
Ihre Mutter war es auch, die sie moralisch unterstützte, als sie 1992 begann, sich im Bund der Vertriebenen zu engagieren, die Ortsgruppe der Ostpreußischen Landsmannschaft mit aufzubauen, die Funktion als Schatzmeisterin zu übernehmen, Kontakte zu pflegen und Veranstaltungen zu organisieren. Mit vielen, die ihr Schicksal teilten, ist sie so verbunden, doch auch geteiltes Leid erinnert schweres Leid.