MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried Exler
„Ein Friede ist besser als zehn Siege.“ (Sprichwort)
Berufssoldat
Angestellter Landratsamt
Berthelsdorfer Str. 82
09661 Hainichen
Der 1941 geborene Sohn eines Schneiders und einer in Stellung arbeitenden Mutter, war erst vier Jahre alt, als die Mutter mit ihm und seiner jüngeren Schwester (die Heimat (Breslau wurde zur Festung erklärt) verlassen musste. Er erinnert sich daran, dass sie kaum etwas mitnehmen konnten und auch an die spätere einfache Zeit. Thüringen wurde zur neuen Heimat und karge Zeiten brachen an. Die Geburt der zweiten Schwester und die Trennung der Eltern führte dazu, dass seine Mutter sich alleine um drei Kinder sorgen musste. An Spielzeug kann Siegfried Exler sich nicht erinnern. Doch es wohnten viele Kinder in der Straße und gemeinsame Spiele im Freien brauchten keine materiellen Voraussetzungen. Ob Versteckspiel oder Völkerball, Kreiseln oder Fischers Wassertiefe....es machte Spaß und förderte den Gemeinschaftssinn. Oft gab es nur trockenes Brot mit in die Schule. Manchmal war es auch mit Senf beschmiert. Die Egelit-Schuhe (Weichplaste) hielten nicht warm, aber man konnte im Winter herrlich damit rutschen und neue Spiele erfinden. Nach der 8. Klasse besuchte Siegfried Exler die Oberschule. Doch nach der 11. Klasse musste er abbrechen, um Geld zu verdienen und die Mutter entlasten zu können. 1959 ging er zur Armee. Hier sah er eine gute Perspektive für sich. Gerne wäre er Pilot geworden, doch die Bewerberanzahl war groß und sein in der vormilitärischen Ausbildung erlangter Segelflugschein (A) reichte nicht aus um die Mitbewerber auszustechen. So wurde er im Nachrichtenbataillon Kamenz ausgebildet, ließ sich dann erst für die Unteroffiziers- später für die Offizierslaufbahn werben. Drei Jahre Offiziershochschule folgten. Er erinnert sich damals ein Stückchen Weltgeschichte erlebt zu haben, als sie während der Ausbildung die Signale des Sputniks (russischer Erdsatellit) empfingen. Nach der Ernennung zum Unterleutnant wurde er in das Nachrichtenbataillon Dresden versetzt und im Zuge der Auflösung dieser Einheit nach Jänschwalde. Indessen verheiratet (1963), wurde der jungen Familie eine Wohnung aus NVA-Kontingent zugewiesen. Die Kinder Kerstin, Dietmar und Roland bereicherten bald das Familienleben und Familie Exler ist stolz, dass alle drei studiert und sich gut entwickelt haben, wie sie es indessen auch bei den sechs Enkeln erhoffen dürfen. Von den in der NVA eigentlich üblichen, ständigen Versetzungen blieb Siegfried Exler weitestgehend verschont. Der Zugführer Sicherungskompanie, spätere Oberoffizier Nachrichten beantragte selbst Versetzung als seine Frau das heute bewohnte Haus überschrieben bekam und nach Hainichen zog. Es war kein einfaches Unterfangen, denn die Versetzung erforderte einen Wechsel von seiner bisherigen in die Waffengattung Artillerie. In Frankenberg beendete er 1984 nach 25 Jahren seine militärische Laufbahn und wechselte in den zivilen Bereich. Im Rat des Kreises Hainichen arbeitete der nun 43-jährige fortan in der Abteilung Nachrichten, Verkehr und Energie bis zur Wende und danach im Landratsamt im Verkehrsamt bis er 2001 in den Ruhestand trat. Er erinnert sich noch genau daran, während der Wende erlebt zu haben, wie Menschen ihre Einstellungen und Gesinnungen wie eine alte Haut ablegten. Vielleicht wäre aus ihm in einer anderen Zeit auch etwas ganz anderes geworden, hätte er Biologie studiert und damit sein Interessen- zum Arbeitsgebiet gemacht – wer weiß. Er hat sich einst nach den vorhandenen Möglichkeiten entscheiden müssen und da er sich vor allem Frieden auf der Welt wünscht war es nicht die schlechteste Wahl in der einzigen deutschen Armee zu dienen, die nie einen Krieg geführt hat.