MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rita Esins
Stolz auf die Kinder, die in schwerer Zeit Unterstützung geben
Flachsweg 20 a
06116 Halle
Fon: 0345 / 1215939
Als Rita Will und Tochter eines Schafscherers 1936 geboren, war dieser ein wenig enttäuscht, ein Mädchen zu begrüßen. Alle Vorfahren und Brüder waren Schafscherer und er hätte sich gewünscht, die Tradition würde fortgeführt werden können. Ihre Mutter hatte er auf seinen Touren durch das Land kennengelernt und mit nach Sternberg (heutiges Polen) genommen. 1945 jedoch musste die Familie die Heimat verlassen. Der Weg führte über Frankfurt / Oder und Halle nach Schochwitz. Hier schloss die junge Rita 1950 die Schule ab. Ein Jahr war sie arbeitslos, absolvierte auf der Abendschule in Halle einen Kurs für Schreibmaschine und Stenografie. Dem Vater gelang es, eine Lehrstelle in der HO (Handelorganisation) zu besorgen, so dass sie hier den Beruf einer Verkäuferin erlernen konnte. Im Anschluss für ein Jahr als solche bei der BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) in Schochwitz tätig, übernahm sie im Anschluss die Verkaufsstelle in diesem Ort, was einen Wechsel zur Konsumgenossenschaft mit sich brachte. Mit jungen 19 Jahren hatte sie dabei eine schwere Altlast übernommen, denn der Vorgänger hatte für ausreichend Chaos gesorgt. Sie erinnert sich noch, als sie erstmals die Lagerräume betrat und vergammelte Lebensmittel vorfand. Klein war die Verkaufsstelle und auf dem Schloss gelegen. Zwei Angestellte hatte sie anzuleiten und Unehrlichkeit aufzudecken. Nicht leicht, sich auf diese Weise durchzusetzen. Durch Kennenlernen und Heirat (1957) ihres Mannes Martin (verstorben 2011), erfolgte 1958 ein Umzug nach Halle. Sohn Gerald (geb. 1957, EDV-Fachmann) bereicherte indessen die kleine Familie und zu seiner und Tochter Petras (geb. 1960, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin) Erziehung blieb Rita Esins vorerst zu Hause. Als der Familienetat dadurch zu belastet war, nahm sie 1962 aushilfsweise eine Tätigkeit bei der Staatlichen Versicherung auf, die sie 1964 auf eine Halbtagsstelle ausweiten konnte. Mit wechselnden Tätigkeiten blieb sie hier bis 1991 beschäftigt. Im Vorfeld der Übernahme der Staatlichen Versicherung durch die Allianz AG gab es die Information, niemand müsse sich Sorgen machen, alles würde 1: 1 übernommen. Doch die Realität sah anders aus: Die Währungsunion führte bei vielen Menschen zu Engpässen. Verunsicherung war da, bestehende Versicherungen wurden reihenweise gekündigt. Menschenschlangen bildeten sich an den Kundenschaltern, Arbeit über Arbeit war zu tun. Doch als die bewältigt war, wurde rationalisiert. Alle Mitarbeiter über 54 Jahre erhielten die Kündigung, mussten sich dem Arbeitsmarkt stellen. Doch Umstrukturierungen trafen alle Betriebe und Einrichtungen in der DDR. Überall wurde entlassen, abgebaut, eingeschränkt. Rita Esins konnte nicht mehr vermittelt werden, ging über den Vorruhestand in die Rente. Heute verbringt sie ihre Zeit mit Gartenarbeit, Handarbeiten, liest, löst Kreuzworträtsel und geht auch mal in ein Konzert. Sie ist ihren Kindern dankbar für die Unterstützung in schweren Zeiten.