MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

Gesamte Liste anzeigen

Irene und Gert Erler

„Der Herbst ist ein zweiter Frühling wo jedes Blatt zur Blüte wird.“ (Albert Camus)

Irene und Gert Erler

Industriekaufmann
Schlosser
Feldstr. 2
09322 Penig

Gert wurde 1934 als eins von vier Kindern des Dorfschmieds Erler und seiner Frau geboren. Seine Kindheit verlebte er im thüringischen Steinbach. In die Fußstapfen seines Vaters wollte er nicht treten, stattdessen lieber Förster werden. Die historischen Ereignisse in Deutschland verhinderten das, denn als der Junge seine Schulzeit (1941–1949) hinter sich gelassen hatte, war der Krieg erst wenige Jahre vorbei und viele Berufswünsche waren nicht realisierbar. Die Forstwirtschaft lag seit 1945 am Boden, wurde erst neu aufgebaut. Er erinnert sich gut an seine Kinder- und Jugendzeit: Z. B. an den 5 km langen Fußweg zur Schule bei Wind und Wetter, der an manchen Tagen zweimal zurückgelegt werden musste. „Und da hatten wir noch richtige Winter! Da lag bis zu einem Meter Schnee. Das schaffte der Schneepflug nicht, denn damals schob der Bauer mit Pferd und einem Holzpflug die weiße Pracht. Wenn das nicht gelang ging der Gemeindebote von Haus zu Haus und verpflichtete jeden Bauern eine Peron zum ‚Schnee auswerfen’ (Schnee schippen) abzustellen....“ berichtet er und fasst Normalität der damaligen Zeit zusammen mit den Worten „ ja, das war damals so.....“ „Unser Vater ließ uns vom Stellmacher ein Paar Schneeschuhe machen, damit wir in die Schule kamen. Zerschlissene Schuhe wurden nach dem Krieg zum Pantoffelmacher gebracht, der die alten Sohlen abriss und Holzsohlen am alten Oberleder befestigte. Daran pappte der Schnee fest, wurde an jedem Telegrafenmast abgeklopft um weiterlaufen zu können....Aber ich erinnere mich gerne daran, wir hatten nicht viel und trotzdem war es eine schöne Kindheit....“ berichtet er lebhaft. „Damals galt noch ein Handschlag, Handwerker finanzierten ein Jahr alle Aufträge vor, stellten am Jahresende die Rechnungen. Und das hat funktioniert, es war eine Frage der Ehre zum Wort zu stehen....“ resümiert er weiter. Nach der Schule arbeitete er, bis er eine Lehrstelle fand, in der Schmiede seines Vaters. Dann erlernte er den Schlosser-Beruf in einem von den russischen Besetzern geführten Maschinenbaubetrieb. Er erinnert sich an den Befehl 234 der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland). Eine bessere Arbeitsproduktion und Arbeitsdisziplin sollte erreicht werden. Dieses Ziel sollte u. a. durch eine warme Mahlzeit im Betrieb gestützt werden. So kam auch Gert Erler in den Genuss in einer ehemaligen KZ-Baracke die zum Speiseraum umfunktioniert wurde aus einer Steingut-Schüssel aus dem Gefangenenlager eine Suppe – gekocht aus überlagerten Heeresbeständen – löffeln zu können. „Hafer, Graupen, Nudeln und da hinein ein Löffel Rohzucker (mit Madenbefall, die jeder mit dem Löffel aussortierte) aber es war was zu essen, denn es gab ja nichts....“ erzählt er. Bis 1991 blieb er im Ausbildungsbetrieb tätig, arbeitete zum Schluss als Brigadier in der Instandhaltung und fiel 1991 dem allgemeinen Stellenabbau zum Opfer. Er trat in den vorzeitigen Ruhestand. Seine Leidenschaft für die Jagd, für Hege und Pflege lebt Gert Erler seit jeher aus. In der Schulzeit als Treiber beginnend, gehört er indessen seit Jahrzehnten einer Jagdgemeinschaft an. Er erlebte und begleitete die Entwicklung des Jagdwesens in der DDR und nach der Wende bis heute. Stets auch am jagdlichen Brauchtum interessiert, war er bis 1991 zudem noch Jagdhornbläser. „Eine Jagd ohne Hund ist Schund“ sagt der Prüfungsrichter für Jagdhunde. „Na so lange er es noch machen kann....“ toleriert Ehefrau Irene (geb. 1935,Hochzeit 1957) die Leidenschaft ihres Mannes. Sie besuchte die Schule 1941–1949, erlernte dann den Beruf Industriekaufmann in der Patent-Papierfabrik Penig. Durch die Kombinatsbildung der Betriebe verlagerte sich ihr Arbeitsplatz nach Lunzenau. Der hohe Fahraufwand führte zum Wechsel ins Getriebewerk (Buchhaltung), wo sie bis 1963 beschäftigt war. In dem Jahr wurde Tochter Heike (Verkäuferin, zwei Kinder) geboren. Irene Erler blieb eine Zeit zu Hause, nahm dann in der Sattlerwarenfabrik Penig (später VEB Leder- und Plast-Verarbeitung) die Arbeit auf und blieb hier bis zur Wende beschäftigt. Auch sie blickt noch einmal auf die Kinderjahre zurück, erinnert sich an Schulausfall durch Bombenangriffe und Lehrermangel. An „Behelfslehrer“ die Brot mit „d“ an die Tafel schrieben, an Ährenlesen und Kartoffelstoppeln....Aber auch an den Zusammenhalt der Menschen in schweren Zeiten, so wie auch sie mit ihrem Mann es stets verstand gemeinsam jeden Weg zu gehen. Ehrlichkeit betrachten beide als unentbehrliche Grundlage im Leben und dass einer für den anderen da ist als Anspruch an eigentlich jeden Menschen. „In der DDR war nicht alles gut, manches war auch Mist. Aber es gab eben auch viel Gutes und Bewährtes was leider nach der Wende verloren gegangen ist“, bedauern die Eheleute. Sie wünschen sich Glück für die Familie und gemeinsam alt zu werden.
Gesamte Liste anzeigen

  • Der Verlag
  • Gesichter der Regionen
  • VWM-Info
  • Menschen und ihre Gesichter
  • Suche
  • Ihre Empfehlung
  • Unser Anliegen
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz