MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Marianne Eschert

Vierzig Jahre Schuldienst

Marianne Eschert

Russisch-Lehrerin
99086 Erfurt

Im nordböhmischen Komotau 1930 geboren, war die Kindheit für die junge Marianne nicht einfach, denn der Vater war wegen kommunistischer Gesinnung zeitweise im Konzentrationslager, später zum Kriegsdienst verpflichtet. Sie besuchte die örtliche Volksschule, schloss an der Mittelschule 1944 die achte Klasse ab, doch der Besuch der Oberschule blieb der „Kommunistentochter“ verwehrt. Das damals obligatorische Pflichtjahr verbrachte sie in der Nähe auf dem Land. Im August 1944 wurde Mariannes Bruder geboren. Da die Mutter sich nach Kriegsende weigerte für sich, Marianne und den anderthalbjährigen Bruder die tschechische Staatsbürgerschaft anzunehmen, mussten sie im Dezember 1945 bei Eiseskälte aussiedeln, landeten über Bad Salzelmen im thüringischen Bad Liebenstein. 1948 wurde der Vater aus der Gefangenschaft entlassen und die Familie war wieder zusammen. Eine Lehrstelle zu finden, erwies sich als schwierig, so arbeitete sie als Hilfskraft in einer Fabrik, doch dann wurde sie 1949 als Neulehrerin geworben. Nur ein Jahr dauerte ihre Ausbildung am Institut für Lehrerbildung in Weimar zur Russischlehrerin (es fiel ihr leicht, denn ihre Tschechischkenntnisse aus der Heimat erwiesen sich als nützlich), dann stand sie im nordthüringischen Großbodungen zum ersten Mal vor einer Klasse. In den nächsten sechs Jahren zog sie innerhalb des Kreises Nordhausen achtmal um, denn die junge Lehrerin wurde eingesetzt, wo immer sie gebraucht wurde. Anfangs unterrichtete sie auch Deutsch, doch Russisch-Lehrer waren knapp, so wurde sie lange Zeit nur auf diesem Gebiet eingesetzt, zuletzt in Nordhausen an der Diesterweg-Oberschule. Den Erfurter Manfred Eschert lernte sie kennen, als dieser auf Montage in Nordhausen war. Seit 1968 ist sie mit ihm in zweiter Ehe verheiratet, aus erster Ehe entstammt ihr eigenes Kind. Mit der Heirat betrieb sie ihre Versetzung nach Erfurt. Hier arbeitete sie vor allem an Schulen mit Klassen für erweiterten Russisch-Unterricht, erst an der Goethe-Oberschule, dann an der Puschkin-Schule, führte ganze Klassen vom 3. Schuljahr bis zum Abitur. Bei vielen Gelegenheiten, vor allem wenn Delegationen aus der Sowjetunion nach Erfurt kamen, war sie auch als Dolmetscherin gefragt. Das Land, dessen Sprache sie lehrte, lernte sie bei privaten Reisen (Moskau, das damalige Leningrad) und als Auszeichnung (auf einer Flussschiffsreise) mit Freude kennen. Ihr Mann Manfred, auch für ihn war es die zweite Ehe, aus seiner ersten stammen zwei Kinder, hatte Tischler gelernt, dann auf Montage im Rüstbau gearbeitet und lange Jahre Spezialfahrzeuge für das Erfurter Gaswerk gefahren. 60 Jahre unfallfreies Fahren machen ihn mit Recht stolz.
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