MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gottfried und Gisela Erler
Antriebsmotor war im Leben stets ein neues Ziel
Autoschlosser, Kraftfahrer
Verkaufsstellenleiterin
Augustusburger Str. 21 c
09557 Flöha
Das Durchleben der schwierigen Nachkriegsjahre im Kindesalter hat das Leben der Eheleute Erler geprägt. Gemeinsam gehen sie ihren Weg nun schon über 60 Jahre (Heirat Dezember 1955) und sagen heute: „ Unser Leben war kein Sandkastenspiel. Antriebsmotor war stets ein neues Ziel.“ Nur so konnten sie jeder Aufgaben gerecht werden, jede Herausforderung meistern. Und das haben sie! Im Motorradgeländesport (250ccm-Maschine) brachte es Gottfried Erler einst bis zum Bezirksmeister – Ergebnis einer Leidenschaft für diesen Sport, der bereits 1952 mit dem Beginn seiner Lehre (GST, ADMV) begann und ab 1960 aktiviert wurde. Als Berufskraftfahrer war er mit bis zu 200.000 Kilometern jährlich unterwegs. Mit dem mobilen Grillhähnchenstand ging es in den letzten Berufsjahren von Ort zu Ort. Unterwegs zu sein war sein Leben, auch wenn er in Flöha sein Zuhause und seine geliebte Familie hatte.
Geboren wurde er 1935 in Plaue (seit 1962 Stadtteil des sächsischen Flöha). Er besuchte von 1942–1950 die Schule. Praktisch veranlagt, war er glücklich, als die Schule zu Ende war und er endlich seine dreijährige Lehre als Autoschlosser beim damaligen Opelhaus Steinert antreten konnte. Doch in der damaligen Zeit war es einfacher Arbeit als Wohnraum zu finden. Aufgrund der Wohnungsnot im Heimatort, entschieden sich die jungen Eheleute deshalb dem Aufruf „Industriearbeiter aufs Land“ zu folgen und gingen 1956 zur LPG Lissa (Kreis Delitzsch). Gottfried Erle arbeitete er als Maschinenwart in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Aber die Verbundenheit zur Heimat blieb und so zog es Gottfried und Gisela Eula 1959 in den Heimatort zurück. Dort stand ein Häuschen zum Verkauf und neue Aufgaben waren vorprogrammiert. Beim VEB Kraftverkehr Karl-Marx-Stadt (wie Chemnitz damals hieß) fuhr er sieben Jahre Baustofftransporte, war in den Jahren 1966–1968 bei der Stadtwirtschaft von Flöha angestellt, ging dann zum VEB Kraftverkehr zurück, wurde erst vorwiegend im Zementtransport eingesetzt und war ab 1973 für die folgenden siebzehn Jahre als Fernfahrer in der ganzen DDR und teilweise im Ausland, oft auch an den Wochenenden unterwegs. Diese neuen Aufgaben im Beruf des Familienvaters führten zum Verkauf des gemeinsamen Häuschens und Bezug einer Wohnung im Heimatort. Für die Familie, der inzwischen sechs Kinder zugewachsen waren (heute dazu neun Enkel und neun Urenkel), blieb wegen der beruflichen Belastung nur noch wenig Zeit. Sieben Jahre konnten fünf der Kinder ihre Kindheit gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder verbringen, der nach einem tragischen Unfall dann für immer eine Lücke in der Familie hinterließ.
1991, Staats- und Wirtschaftsstrukturen hatten sich gewandelt, machte Gottfried Erler sich für zehn Jahre mit dem fahrbaren Hähnchengrill selbständig, ging 2001 in den Ruhestand.
Seine Frau wurde als Gisela Pyttel 1938 in Erdmannsdorf geboren, wuchs aber bei den Großeltern in Flöha auf. Hier besuchte sie acht Jahre die Schiller-Schule und wurde im Büromaschinenwerk zur Mechanikerin ausgebildet. Sie arbeitete zwischendurch ein Jahr in der Baumwollfabrik Flöha, kümmerte sich um den Familiennachwuchs und wurde dann von der Konsumgenossenschaft Flöha als Verkäuferin eingesetzt. Sie konnte sich zur Verkaufsstellenleiterin weiterentwickeln. 1991 versuchte sie es kurz mit einem eigenen Laden, wurde dann zur wichtigen Mitarbeiterin ihres Mannes im Fahrgeschäft, wo neben den Hähnchen auch Spreewalderzeugnisse verkauft wurden.
Kein einfaches Leben, das die Familie bewältigen musste und doch gut gemeistert durch Zielstrebigkeit, Fleiß, Vertrauen und Gemeinsamkeit.