MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans Walter Enkelmann
Beinschnitzerei- ein seltenes Handwerk
Kunsthandwerker
Hohe Str.72 c
07381 Pößneck
Als Sohn eines selbständigen Tischlermeisters sowie einer Zeichen- und Handarbeitslehrerin hatte Hans Walter Enkelmann schon sehr früh Freude am plastischen Gestalten. Aufgewachsen in Neudietendorf (bei Erfurt) betätigte er sich gern in der Tischlerwerkstatt und begann bereits im Kindesalter kleine Tierfiguren zu schnitzen. In der Schule vervollkommnete er seine Fähigkeiten in einer Zeichen- und Malarbeitsgemeinschaft weiter und wollte deshalb nach dem Abitur ein Kunststudium aufnehmen. Die Bewerbung an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee war jedoch auf Grund der begrenzten Studienplatzanzahl nicht erfolgreich. So entschied er sich für ein Lehrerstudium in den Fächer Physik und Werken. Letzteres bot den Vorteil, weitere unterschiedliche handwerkliche Techniken zu erlernen. Nach Beendigung des Studiums kam Hans Walter Enkelmann nach Pößneck an die Oberschule II, wurde dort jedoch überwiegend im Fach Physik eingesetzt. Das Interesse an der Holzgestaltung ließ ihn aber nicht los und so schaffte er sich Mitte der 70er Jahre eine kleine Drechselbank an. Da der Bedarf an gedrechselten Kunstgewerbeerzeugnissen in der DDR groß war, besorgte er sich eine Genehmigung für nebenberufliche Tätigkeit und konnte nun seine Produkte offiziell an verschiedene Kunstgewerbegeschäfte liefern. Einige Zeit später bekam er eine kleine Maschine aus dem Zahntechnikbereich. Holz war damit nicht zu bearbeiten. Durch Zufall stellte er fest, dass es mit ausgekochten Rindsknochen besser klappte. Damit begann seine Beinschnitzerei von filigranen Kunstwerken im Schmuckbereich. Als sich die Möglichkeit ergab, wechselte er aus der Volksbildung in einen Pößnecker Großhandelsbetrieb (SGB Kulturwaren) als Disponent im Bereich Kunstgewerbe. Hier reifte letztlich der Entschluss, sich mit seiner Beinschnitzerei hauptberuflich selbständig zu machen. Erst nach einer Eingabe an das Ministerium für Kultur erhielt er dazu die Genehmigung zur Betreibung und eröffnete am 01.01.1984 den einzigen Kunsthandwerkbetrieb dieser Art in der DDR. Gleichzeitig absolvierte Hans Walter Enkelmann, nun bereits im Alter von 46 Jahren, nach Feierabend noch eine Lehre zum Holzbildhauer. Mit der Wende änderte sich die Marktsituation dramatisch. Wichtige Abnehmer brachen weg, ebenso das allgemeine Interesse an Beinschmuck. Versuche neue Absatzmärkte zu finden, führten nicht zum gewünschten Erfolg, so dass er im Februar 1991 den Handwerksbetrieb endgültig schloss. Kurze Zeit war er wieder als Lehrkraft in einer privaten Bildungseinrichtung tätig, fand später neue Arbeit als Verkäufer für Antiquitäten in einem Großhandel bei Triptis. Nach dessen Insolvenz wurde er arbeitslos. Dem Tod seiner Ehefrau folgte im gleichen Jahr noch eine schwere Operation und in deren Folge 1993 die EU-Rente. Ein Hobby hat er sich bis heute erhalten: Heimatgeschichte. Nach der Wende war Hans Walter Enkelmann maßgeblich an der Gründung des Vereins für Heimatgeschichte Pößneck e. V. beteiligt, dessen Vorsitzender er auch seit 1995 ist. Seitdem werden regelmäßig die Pößnecker Heimatblätter herausgegeben sowie weitere Sonderhefte zu besonderen Themen. Darüber hinaus ist er auch Autor und Mitautor an Buchpublikationen zur Pößnecker Geschichte. Hans Walter Enkelmann ist Vater von zwei Kindern, hat inzwischen vier Enkel und mit Karla Lecht eine neue Lebenspartnerin an seiner Seite.