MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irmgard Emmrich
„Alle gut verfolgten Dinge hatten bisher Erfolg.“ (Friedrich Nitzsche)
Ringspinnerin
Telefonistin
Berthold-Brecht-Str. 4
09405 Zschopau
1941 in Niedersachsen geboren, wuchs das Mädchen Irmgard auf dem großen Anwesen ihrer Eltern, einer Handwerkerfamilie, auf. Das bedeutete Umgang mit vielen Haustieren, Aufenthalt in der Natur, aber auch zeitig für kleine Aufgaben herangezogen zu werden. „Viel spielen war da nicht...“ berichtet sie davon und weiter von ihren Erinnerungen an die Nachkriegszeit mit der Trennung Deutschlands und dem Wohnen in der 500 m-Zone an der Grenze: „Da war die Trennung, da war der große Zaun, da waren die Minen dahinter, da war der 10 m-Streifen, da waren die Kontrollen, Besuche mussten angemeldet werden....man war schon sehr eingeschränkt, eben wie hinter einem Zaun....“ Als sie später 18-jährig das Elternhaus verließ, konnte sie die Eltern nur noch mit einem Passierschein besuchen. Acht Jahre Schulzeit lagen hinter ihr, als ihr strenger Vater ihrem Wunsch als Saisonkraft an die Ostsee zu gehen nicht entsprach. „Du gehst in einen Haushalt!“ legte er fest und so nahm sie die Arbeit in einem Bäcker-Haushalt auf. Als Haushälterin war sie vom Wäsche waschen über Kohlen für das Backhaus reinschleppen bis hin zum Verkauf von Brot, Brötchen und Streuselschnecken für alles zuständig was anfiel oder die älteren Bäckersleute nicht mehr so gut schaffen konnten. Diese und auch die spätere Arbeit in einem anderen, moderneren Bäckerhaushalt, entsprach nicht ihren eigenen Zielen. Während es Freundinnen gelungen war an der Ostsee als Saisonkraft zu arbeiten, durfte sie dem Lockruf aus der Ferne nicht folgen. Doch schließlich widersetzte sie sich 1960 doch noch den Wünschen der Eltern, ging mit einem Mädchen aus ihrem Dorf nach Zschopau, lernte den Beruf Ringspinnerin und arbeitet als solche in drei Schichten. 1963 konnte sie sich über die Geburt von Sohn Jörg (Koch) freuen. Die junge Mutter wohnte erst in einem Wohnheim der Spinnerei und später in einer kleinen Wohnung in Zschopau. Nach erster Eheschließung (dreimal verheiratet) gab sie die Schichtarbeit in der Spinnerei auf. 1967 konnte sie als stundenweise Aufwartung in einem Wochen-Kindergarten anfangen und durfte später als Nachtwache dort weiter arbeiten. Das gefiel ihr sehr, kam es doch ihrem ursprünglichen Berufswunsch (Kindergärtnerin) nahe. Doch sie konnte wegen Reduzierung der Kinderanzahl nicht weiter beschäftigt werden und entschloss sich deshalb wieder in den Schichtbetrieb der Spinnerei zurückzukehren. In verschiedenen Werken und Abteilungen tätig, erzielte sie stets beste Ergebnisse durch ihren festen Willen schnell und gut neu erworbenes Wissen anzuwenden. Nachdem sie im Zuge der Wendeereignisse durch Betriebsschließung ihre Arbeit verlor, nahm sie später ein Angebot bei der AOK als Telefonistin anzufangen an. Als guter Geist mit vielen Nebenaufgaben zusätzlich zur Telefonie wirkte sie nun in der AOK-Geschäftsstelle bis zum Eintritt in die Rente. Sie ist stolz auf ihr Arbeitsleben, in dem sie sich jeder Aufgabe stellte und jede Herausforderung meisterte. Ihre Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit als vordergründige Charaktereigenschaften haben das alles mit ermöglicht. Sie lebt gerne in der Region, freut sich aber auch, dass Sohn Jörg so führsorglich ist und für sie auch schon ein Wohnen in seiner unmittelbaren Nähe vorbereitet hat, wenn das einmal ein Thema für sie sein sollte. Früher viel mit Handarbeiten beschäftigt, genießt sie heute vor allem die gemeinsamen Unternehmungen mit Freundin Elisabeth. Sie liebt Harmonie und will noch viele gesunde Jahre verbringen.