MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Anneliese und Fritz Engler
„Wie glücklich jemand ist, hängt nicht davon ab, wie viel Glück er hat.“ (Ellen Sonntag)
Zwirnerin, Lehrausbilderin
Maschinenschlosser, Meister der volkseigenen Industrie
Str. des Friedens 7
09569 Oederan OT Breitenau
Fon: 037292 / 21588
Fritz Engler ist ein „waschechter Oederaner“. Er wurde 1936 in Oederan mit einer Zwillingsschwester als Kind eines Kutschers und einer Hausfrau geboren. Der Vater wurde 1942 im Krieg vermisst, die Mutter zog die Kinder alleine groß. Sie schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch die karge Kriegs- und Nachkriegszeit. 1942–1950 absolvierte Fritz Engler die schulische Ausbildung, lernte danach den Beruf Maschinenbauschlosser im VVB Paul Schaff Maschinenfabrik in Treuhandverwaltung (1947 aus zahlreichen enteigneten Betrieben von der Treuhand gegründet und ab 1978 zum VEB Kombinat Textima Zwirnereimaschinenbau umgebildet). Nach der Lehre wechselte er in den VEB Zwirnerei und Nähfadenfabrik Oederan, blieb hier sein gesamtes Berufsleben lang tätig. Erst als Schlosser eingesetzt, entwickelte er sich schnell. Er besuchte die Meisterschule im Abendstudium, trug danach als Meister Verantwortung für 40 Handwerker verschiedener Gewerke. Die Wende führte zu Strukturänderungen. 1990–1994 erfolgte die teilweise Reprivatisierung oder Stilllegung angeschlossener Produktionsstätten des Betriebes. Fritz Engler war nun beim Abbau der Maschinen und Anlagen eingesetzt, für deren Instandsetzung er zuvor zuständig war. Im Treuhandbetrieb Zwirnerei und Nähfadenfabrik Oederan lief die Produktion von Nähgarnen und Webzwirnen indessen mit reduzierter Arbeitskräftezahl weiter. In der Sächsischen Baumwollspinnerei GmbH Mittweida (Produktionsstätte Falkenau) fand Fritz Engler später Weiterbeschäftigung, ging 2002 über den Vorruhe- in den Ruhestand. „Im gleichen Jahr kam ja dann auch das Hochwasser. Falkenau war mit betroffen. Man hat danach alles wieder aufgebaut und den Betrieb dann doch geschlossen....“ schüttelt Fritz Engler heute noch den Kopf über diesen wirtschaftlichen Unfug. Anneliese Engler gibt ihm Recht. Auch sie hat das hautnah miterlebt. 1960 haben die beiden geheiratet. Sie haben sich im Betrieb kennengelernt, denn auch Anneliese lernte nach Abschluss der 8. Klasse dort. Zwirnerin wurde die 1938 in Schlesien geborene, die auch ohne Vater (im Krieg gefallen) aufwuchs. Mit Mutter und kleiner Schwester musste sie damals die Heimat verlassen. Sie wurden in Breitenau ansässig. Beruflich entwickelte sie sich weiter indem sie eine Ausbildung zum Lehrausbilder absolvierte. Bis zur Wende war sie in dieser Funktion tätig und leitete die Lehrlinge des Betriebes in der praktischen Arbeit an. Sie hatte Freude an der Arbeit mit den jungen Leuten, förderte sie, aber forderte sie auch. Nach der Wende ebenfalls in den Falkenauer Betrieb wechselnd, arbeitete sie hier bis zum Renteneintritt mit 61 Jahren. Jetzt ist der Garten die Lieblingsbeschäftigung der Eheleute, die stolz auf ihr gemeinsames Leben zurückblicken. Tochter Sylke (geb. 1964, Lehrerin) hat für zwei Enkel gesorgt und die wiederum für zwei Urenkelkinder. Seine Liebe zum Handballsport hat sich der ehemals aktive Kreisläufer der Bezirksliga erhalten. Heute ist er allerdings Zuschauer bei den Spielen. „Ein Lotto-Gewinn wäre gut, den würden wir Frau Merkel schenken“ sagen die beiden Politik-Kritiker lachend. Doch dann überlegen sie es sich und räumen ein: „Eine Weltreise wäre aber auch nicht schlecht, so lange es gesundheitlich noch geht, denn jetzt machen wir nur kleinere.“