MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Heinz Elstner

Alles hat seine Zeit

Heinz Elstner

Hintere Dorfstr. 1 c
06808 Holzweißig
Fon: 03493 / 68519

Die Eltern des 1948 geborenen Heinz Elstners hatten es nicht leicht im Leben. Als Umsiedler nach Roitzsch in den Kreis Bitterfeld gekommen, nutzte Vater Otto seine Ausbildung als Operettensänger wenig. Damit war nach dem Krieg kein Geld zu verdienen. So musste er als einfacher Arbeiter seinen Unterhalt erlangen. Ebenso wie Mutter Anna-Marta, die mit fünf Kindern bereits viel zu tun hatte, aber zum Lebensunterhalt beitragen wollte. Daher rührte sicherlich der elterliche Wunsch: Heinz sollte einen zweckmäßigen und vernünftigen Beruf erlernen! So absolvierte er nach der 10. Klasse (1954–1964) im Braunkohlenkombinat Bitterfeld eine Lehre zum Dreher. Lange konnte er den Beruf nicht ausüben. Gesundheitliche Gründe und der Wille endlich auch ordentliches Geld zu verdienen, veranlassten ihn in den Schichtbetrieb des Chemiekombinates wechseln. In Nebentätigkeit kellnerte er im „Adler“ in Holzweißig und entdeckte dabei, dass die Gastronomie eigentlich der Bereich war, in dem er eine beruflich freudvolle Zukunft sah. Dass er ein Angebot zur Arbeit aus dem besten Haus am Platz – dem damaligen Clubhaus der Bergarbeiter – bekam, ebnete den Weg in den neuen Beruf. Heinz Elstner bewies nun: Wenn man etwas mit ganzem Herzen will, kann man es nicht nur, man ist auch erfolgreich darin! So erwarb er nicht nur den Facharbeiterbrief als Koch / Kellner, sondern legte die Meister- und die Lehrausbilderprüfung ab, wurde Mentor, in kürzester Zeit Stellvertreter des Clubhaus-Leiters und ab 1980 leitete er die Einrichtung selbst. Nun trug er Verantwortung für 17 Mitarbeiter und den Betrieb eines Saales mit 240, einem Weinzimmer mit 60, einem Gastraum mit 60 Plätzen, in der oberen Etage einen kleinen Saal mit 40 Plätzen, dem Roten Salon für Beratungen, zwei Zimmer für Übernachtungen interner Gäste, einer Bar und einer Bühne, einer kulturellen Leitung im Haus und umfangreichem Veranstaltungsgeschehen. Doch bei aller Liebe zum Beruf, musste Heinz Elstner irgendwann feststellen, dass die Ansprüche an ihn immer mehr zur Selbstaufgabe aufforderten. Begonnene Veränderung aus diesem Grund endete letztendlich im Kauf der historischen Gaststätte „Gasthof Holzweißig“, die er bis Mai 1992 betrieb. „Dann brach die Welt zusammen“, erzählt er heute. „Die Betriebe in der Region lösten sich auf, die „Wessis“ kamen“. Gaststättenbesuche waren bei den neuen Arbeitslosen nicht mehr möglich, Betriebsfeiern und Firmen- und Staatsjubiläen gab es nicht mehr. Heinz Elstner vermietete das Gasthaus, engagierte sich in der Kommunalpolitik. 2002 zog Heinz Elstner für sich den Schlussstrich in der Gastronomie, verkaufte das Objekt endgültig. Es fiel ihm nicht schwer, weil es seine eigene Entscheidung und nicht die anderer war, sagt er. Jetzt kümmert er sich um seine pflegebedürftige Mutter und einen an Parkinson erkrankten Nachbarn – eine Hilfsbereitschaft, die ihn schon immer geprägt hat und ein Ausdruck der Dankbarkeit, die er damit einem ehemaligen Kollegen und einem Teil der Familie erweist, der für ihn ein besseres Leben vorbereitet hat in schwerster Zeit.
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