MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hannelore Engel-Federspiel
Auf Umwegen wieder nach Hause
Ehemalige Stationsschwester
Fachschwester für Psychiatrie und Neurologie
Lindenstr. 11
04680 Colditz
Fon: 034381 / 45011
Hannelore Engel-Federspiel, geboren 1945 in Colditz/Sachsen, erlebte eine unbeschwerte Kindheit, obwohl die Eltern kaum Zeit für sie hatten. Der Vater, ein Keramikingenieur, baute sich nämlich mit einer Töpferwerkstatt eine neue Existenz in Machern bei Wurzen auf. In der Urlaubszeit lebte das Mädchen bei Oma und Opa. 1960 ging das Grundstück an den Staat über. Der neue Brennofen und andere Maschinen wurden abgebaut.
Hannelore Engel-Federspiel kam 1952 zur Schule. Sport, Mathematik und Geschichte zählten zu ihren Lieblingsfächern. Wegen einer Kinderlähmung beendete sie erst nach 11 Jahren die Schule, lernte Krankenschwester und arbeitete 43 Jahre in dem Beruf. „Ich war im Krankenhaus Zschadraß Stationsschwester und Fachschwester für Psychiatrie und Neurologie, habe alle Abschlüsse gemacht“, erzählt Hannelore Engel-Federspiel stolz. In den 1980er Jahren verschlechterte sich der Zustand des Hauses zusehends. Stationen wurden seit über 25 Jahren nicht mehr renoviert; in Schlafsälen lagen bis zu 15 Patienten. „Als sich höherer Besuch ansagte, sollte ich vorher die Station vorzeigefähig machen, was ich ablehnte“, sagt die Krankenschwester. „Mein Chefarzt mobbte mich. Ich wäre faul und liederlich. Dabei war ich zweimal für meine gute Arbeit als Aktivist ausgezeichnet worden. Daraufhin musste ich die Station wechseln. Das Angebot, in die SED einzutreten, nahm ich nicht an. Ich wollte schon vom Balkon springen, dachte aber an meine Kinder Roger und Stephan. Außerdem hatte ich die Absicht, die Verwandten im Westen mal zu besuchen. An Flucht dachte ich dabei nie, höchstens an Ausreise.“
Die Nachricht von der Grenzöffnung 1989 erfuhr sie aus dem Fernsehen, ging danach zum Freizeitsport. Mit Tränen in den Augen umarmten sich die Frauen. Anfang 1990 verließ Hannelore Engel-Federspiel die DDR und zog um nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, fand Arbeit in einer Klinik. „Es war schwer, sich dort wohl zu fühlen. Die Kollegen und Nachbarn ließen mich spüren, woher ich komme. Mit der Zeit bekam ich immer mehr Heimweh, wollte zu meinen Kindern und zur Mutter. Nachdem die Tante verstorben war, kehrte ich nach 15 Jahren in meine Heimat zurück“, berichtet Hannelore Engel-Federspiel. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Turnvereins Colditz, organisiert den Festumzug zur 750-Jahrfeier und den Sportlerfasching mit. Außerdem war sie Vorsitzende von vier Partnerschaften, die Colditz mit Städten in den alten Bundesländern, Österreich und Polen verbindet.