MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Eichhorn
Einzelkind mit 11 Geschwistern
Dreherin, Lohnbuchhalterin
Händelweg 4
01591 Riesa
Zwar war die junge Helga das einzige Kind der Familie Hering, doch die Nachbarin hatte eine elfköpfige Kinderschar, so wuchs Helga mit vielen Gefährten auf. 1934 kam sie in Riesa zur Welt, ihr Vater war Stahlwerker, musste jedoch in den Krieg ziehen und kam erst 1947 aus Gefangenschaft zurück. Ab 1941 besuchte sie die Volksschule Gröba, damals im Nationalsozialismus Schlageter-Schule genannt, dann in der Nachkriegszeit als August-Bebel-Schule bekannt. Nach dem Abschluss der 8. Klasse 1949 ging sie zur Lehre ins Stahlwerk Riesa. Der Dreher-Beruf war damals meist männlich besetzt, sie war erst der zweite Jahrgang, in dem überhaupt Frauen angenommen wurden. So stand sie fast nur mit Jungen an der Feilbank, doch diese waren stets freundlich, hilfsbereit. Nach dem Facharbeiterabschluss 1951 blieb sie im Werk, arbeitete jedoch als technische Hilfskraft im Büro. 1955 forderte die Familiengründung neue Überlegungen. Im selben Jahr, in welchem sie Helmut Eichhorn heiratete, kam der Sohn Steffen zur Welt. 1959 folgte Tochter Monika, 1963 kam Tochter Kerstin hinzu. Helga Eichhorn blieb nun fünfzehn Jahre zu Hause, kümmerte sich um die Kinder und pflegte später auch ihre eigene Mutter. Als sie wieder Zeit und Kraft hatte, eine Arbeitsstelle anzustreben, konnte sie erneut im Stahlwerk Riesa anfangen, wurde nun im Lohnbüro der Lehrwerkstatt eingesetzt. Für ihre Aufgaben qualifizierte sie sich in einem halbjährigen Lehrgang. Mit Sorgfalt und Engagement wurde sie in den zwanzig Jahren, in denen sie dieser Tätigkeit nachging, zur von allen akzeptierten Fachkraft. 1989 verabschiedete sie sich in den Vorruhestand. Anfangs ging ihr Mann Helmut, der als Zimmermann dem Bauwesen verbunden war, noch zur Arbeit, dann brach für das Ehepaar die geruhsamere Zeit des Lebens an, die vor allem bei der Arbeit im Garten eine aktive Zeit war und ist. Denn auch nachdem ihr Mann, der sich in der Brieftaubenzucht engagiert hatte, im Jahr 2009 verstarb, ist das Gartengrundstück, sind die Fische in dessen Teich der Liebe von Helga Eichhorn anvertraut. Da freut es sie, dass ihr die Kraft geblieben ist, das Leben im 1974 von den Schwiegereltern übernommenen Haus noch eigenständig meistern zu können. Freude bereiten ihr auch die vier Enkelkinder und die ersten Urenkel, auch wenn sie sich wünschen würde, diese öfter zu sehen.