MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heidrun Egemann
Ihr Credo: „Jeder verdient eine Chance“
Wittenberger Str. 44 a
06905 Bad Schmiedeberg OT Pretzsch
Fon: 034926 / 57345
Als Mädchen hatte die kleine Heidrun (geb. 1946) den Wunsch, Säuglingsschwester zu werden. Nach dem Abschluss der 10. Klasse aber erlernte sie dann aber drei Jahre den Beruf einer Krankenschwester, erlebte die ersten drei Berufsjahre in allen Abteilungen des Krankenhauses Torgau. Nachdem sie den Freund ihres Bruders lieben lernte und 1967 heiratete, zog sie mit ihm im gleichen Jahr nach Pretzsch. Der Zufall wollte es, dass es ihr mit diesem Umzug möglich war, nun doch noch den Traumberuf auszuüben, denn hier wurde eine Krippenleiterin gesucht und eine Staatlich anerkannte Krankenschwester erfüllte die Anforderungen, die an eine Bewerberin gestellt wurden. Bis 1992 arbeitete sie fortan als Krippenleiterin, wurde danach bis 1997 in die Tagesstätte übernommen. Ihr Mann Max war als gelernter Fleischer und Koch in der Umgebung bekannt und geachtet. Nicht nur, weil er an der Hundeschule der Polizei dafür sorgte, dass gute Ernährung die Einsatzbereitschaft stärkte, sondern weil er die in den ländlichen Gegenden üblichen Hausschlachtungen durchführte. Doch eine schwere Krebserkrankung ließ ihn erst arbeitsunfähig, dann pflegebedürftig werden. Für Heidrun Egermann war es selbstverständlich die Schwerstpflege ihres Mannes zu übernehmen, ihre Kenntnisse als Krankenschwester in seinen Dienst zu stellen. Heilen konnte sie ihn nicht, auf dem schwersten Weg begleiten schon. 1998 starb Max Egermann. Um selbst wieder aktiv zu werden, arbeitete sie als Tagesmutti und in einem Fischladen, nutze diese Übergangszeit sich wieder nach einer Tätigkeit im Beruf umzusehen. Ihre Bewerbung in der BfA-Kureinrichtung Bad Schmiedeberg hatte Erfolg. Einfach war es nicht, nach so langen Jahren wieder im Beruf Fuß zu fassen. Schlichtweg alles hatte sich geändert. Von den Medikamenten, über die Verbandsmaterialien bis hin zum Verwaltungsaufwand. Herausforderung und Anspruch an die junge Frau zugleich. Es gelang ihr zu überzeugen und trotzdem erhielt sie immer nur befristete Arbeitsverträge, die elfmal erneuert wurden. Die liebevolle Bezeichnung als „Mutter der Nation“ gibt Zeugnis, von der Herzenswärme mit der sie ihre Arbeit erfüllte. Gesellschaftlich mehrere Wahlperioden als Abgeordnete aktiv und in verschiedenen Kommissionen, überforderten Beruf und dieses Engagement letztendlich die eigene Gesundheit. Ein Herzinfarkt setzte ein Stoppschild, führte über veränderte Arbeitszeiten zum endgültigen Berufsabschied. Der große Bekanntenkreis erleichterte den Übergang in den Ruhestand. Und das sonntägliche Kochen für die ganze Familie ist beliebt bei den Söhnen Mirko und Rocco, den Schwiegertöchtern und beiden Enkeln und fördert den Zusammenhalt.