MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. med. Dietmar Eckstein
Glück gehört zwingend zum Leben
Facharzt für Innere Medizin
08223 Grünbach
"Ich gebe niemals auf“, sagt Dr. Dietmar Eckstein, der gebürtige Vogtländer. Intrigen, Entlassung, Stasibespitzelung mit Mißbrauch der Psychiatrie, konnten den Arzt nicht hindern, diese Haltung zu leben. Auch deshalb kehrt Dietmar Eckstein im Dezember 1989 aus Österreich zurück, wo er politisches Asyl beantragt hatte. Er habe in der Heimat um Gerechtigkeit kämpfen wollen, betont er.
Wie der Vater, so will auch der Sohn Arzt werden. Nach Abitur mit Berufsausbildung, einem Jahr als Hilfspfleger und dem Armeedienst studiert er in Leipzig Medizin. Den Facharzt für Innere Medizin erwirbt er an der Medizinischen Akademie in Magdeburg.
1980 wird Dr. Eckstein Stationsarzt im Bezirkskrankenhaus Karl-Marx-Stadt. Vier Jahre später übernimmt er im Kreiskrankenhaus Auerbach die Verantwortung für die Geriatrie. Drei Pflegeheime mit rund 500 schwerkranken Patienten sind ihm anvertraut.
„Ich war ivom Marxismus überzeugt und deshalb in der SED“, so Dr. Eckstein. „Und ab 1985 ein Anhänger Gorbatschows und seiner Reformideen.“ Weil es ihm ernst ist mit „Glasnost“, kritisiert er das DDR-Gesundheitssystem. Die Staatssicherheit wird auf ihn aufmerksam. Für eine wissenschaftliche Reise nach Ungarn verweigert man ihm 1986 den Dienstauftrag. Stattdessen wird er entlassen und soll wegen versuchter Republikflucht belangt werden. Weil das nicht gelingt, erfolgt seine Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Dr. Eckstein lässt sich in Berlin untersuchen und wird rehabilitiert. Heute ein verbrieftes Urteil. Eine weitere Reise kann die Stasi 1989 nicht verhindern. Nach seiner Rückkehr aus Prag wird Dietmar Eckstein erneut fristlos entlassen. Er klagt und gewinnt.
1990 nimmt Dr. Eckstein seine Tätigkeit im Pflegeheim wieder auf. Parallel dazu eröffnet er eine eigene Praxis. Doch im Sommer 2011 soll damit Schluss sein.
Er sei ein fanatischer Fan vom FC Erzgebirge Aue, meint Dietmar Eckstein. Bei Auswärtsspielen werde er der „Fanarzt“ genannt.
Dr. Eckstein ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie. In einem Gesetz gegen den politischen Missbrauch der Psychiatrie hat auch er seine Erfahrungen eingebracht.
Bereits in der DDR hat sich der Arzt mit Medizininformatik beschäftigt und eine Arbeitsgruppe geleitet. Gegenwärtig engagiert er sich dafür, diese Disziplin europaweit zu etablieren.
Der 64jährige mag Menschen, die „Herz haben“ und Glück gehört für ihn „zwingend zum Leben“. Und eines dieser Glücksmomente wäre das Erlebnis von Schwerelosigkeit, gesteht er. Nicht als Simulation, sondern im Orbit…