MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerda und Dieter Eckert
Beim Tanzen hat’s damals „gefunkt“
Strickerin, Sachbearbeiterin
Bauingenieur
Goethestr. 36
04758 Oschatz
Ihrer beider Kindheit war nicht auf Rosen gebettet. Gerda und Dieter Eckert aus Oschatz in Sachsen haben als Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebt und überlebt. Die Eheleute, seit 1961 verheiratet, haben zwei Kinder, drei Enkel und einen Urenkel. Tochter Gabriele kam 1963 zur Welt und arbeitet als Krankenschwester in Oschatz. Sohn Harry, 1964 geboren, ist Diplomingenieur für Anlagenbau. Gerda und Dieter Eckert kannten sich schon als Kinder, aber so richtig „gefunkt“ hat’s später auf dem Tanzsaal, wie sich die heutigen Rentner schmunzelnd erinnern. Gerda erblickte 1940 in Strehla das Licht der Welt und wohnte bis 1961 in Gaunitz. 1945 heiratete ihre Mutter den Bauern Kießling. Gerda bekam dessen Namen. Als ihr Stiefvater 1948 starb, war sie erst acht Jahre und musste in der Landwirtschaft tüchtig mit ran, um die Mutter zu unterstützen. Sie passte auf die jüngeren Geschwister auf, arbeitete mit in den Ställen und hütete die Kühe. Von 1946–1954 besuchte Gerda die Schule in Terpitz. So richtig Kind sein konnte sie damals nicht, denn sie war die Älteste zu Hause und es gab für sie immer viel zu tun. Nach der 8. Klasse wollte sie auf keinen Fall in der Landwirtschaft Fuß fassen, sondern wollte Schneiderin werden. Weil das nicht klappte, trat Gerda Kießling im VEB Erstlings- und Kinderbekleidungswerk Oschatz (EKO) eine zweijährige Lehre zur Maschinenstrickerin an, wo sie danach auch arbeitete. Nach der Geburt ihrer Kinder blieb sie für einige Jahre zu Hause und wollte dann in ihren Betrieb zurück. Es gab keine Kindergartenplätze, so dass Gerda Eckert 1968 als Sachbearbeiterin beim Landbaukombinat anfing. Nach der Wende wurde sie arbeitslos, konnte aber wieder beschäftigt werden, als ihr Mann sich mit einem Ingenieurbüro selbstständig gemacht hatte. Dieter Eckert, geboren 1938 in Liegnitz, wohnte bis Januar 1945 in Koitz, Kreis. Liegnitz. Danach flüchtete er mit seiner Mutter (der Vater war im Krieg, kam in englische Gefangenschaft und ging dann in den Westen) und der kleinen Schwester (1945 gestorben) nach Oschatz. Der Junge, der bis zur 10. Klasse in die Schule ging, musste mit Arbeiten in der Landwirtschaft zum Unterhalt für sich und seine Mutter, die in Folge der Flucht erkrankt war, beitragen. Nach seiner Schulzeit besuchte er in Leipzig bis 1958 die Ingenieurschule für Bauwesen und bekam 120 Mark Stipendium im Monat. „Das war eine Menge Geld“, blickt er zurück. Mit seinem Bauingenieur-Abschluss fing Dieter Eckert beim damaligen VEB (K) Bau Oschatz (ging 1963 in das Landbaukombinat Leipzig ein) an, war beim späteren VEB Bau Oschatz Betriebsleiter (1971–1975) und wurde krank. Bis zur Wende war er Leiter des Hauptauftraggeber Wohnungsbau Oschatz und wurde danach vom Kreis übernommen. 1992 eröffnete er sein Büro für Bauplanung, ging aber 2000 zur Stadt in die Bauaufsicht, wo er bis zur Rente blieb. Heute sind Gerda und Dieter Eckert stolz auf ein harmonisches Familienleben mit vielen Traditionen. Sie wollen noch lange zusammen gesund bleiben.