MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lothar und Gudrun Eberhardt
„Das Leben besteht nicht daraus, gute Karten zu haben, sondern mit denen die du hast, gut zu spielen.“ (Josh Billings)
Ackerstr. 20
06780 Zörbig
Drei Jahre vor Kriegsbeginn geboren (1936) waren Kindheit und Jugend von Lothar Eberhardt durch diesen mit bestimmt. Der Vater fiel bei Stalingrad, die Mutter nahm jede mögliche Arbeit an um die Familie zu versorgen. Nach Abschluss der 8. Klasse einen Beruf nach eigenen Vorstellungen zu ergreifen ging damals nicht. Die Möglichkeiten waren so kurz nach dem Krieg eingeschränkt, richteten sich zudem noch nach dem Geschlecht des Ausbildungssuchenden. Lothar Eberhardt bekam letztendlich eine Lehrstelle im Tagebau und wurde Schlosser. Um Lehrer werden zu können, absolvierte er eine Aufnahmeprüfung am Institut für Lehrerbildung. Für die Verbesserung seiner Chancen zur Zulassung verpflichtete er sich drei Jahre in den Reihen der KVP (Kasernierte Volkspolizei) zu dienen. 1955 trat er seinen Dienst bei der KVP an, nicht ahnend, dass er erst 1987 seine Tätigkeit in den Bewaffneten Organen beenden würde. Er wurde überzeugt eine Offizierslaufbahn zu beschreiten, entwickelte sich weiter: Die mittlere Reife erlangte er auf der Volkshochschule. 1957–1960 besuchte er die Flak-Offiziersschule Potsdam, erwarb in Vorbereitung der Zulassung zur Militärakademie das Abitur. 1970–1973 folgte das Studium an der Militärakademie „Friedrich Engels“ in Dresden. Anschließend wurde er erst in operativer, dann in gesellschaftswissenschaftlicher Richtung eingesetzt. 1987 schied er im Dienstgrad Oberst in Ehren aus der Nationalen Volksarmee der DDR aus, wurde danach wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig. Die politische Wende in der DDR setzte dem ein Ende. Aufgefordert sich selbst eine neue Arbeit zu suchen, wurde er Autoverkäufer und verband sein Hobby Auto mit seinen Fähigkeiten auf Menschen zuzugehen und zu überzeugen. 2002 beendete er seine Berufstätigkeit, ging in Rente.
Gudrun Eberhard wurde 1944 in Leipzig geboren, besuchte dort die Schule, beendete diese Ausbildung 1962 mit dem Abitur. An der Deutschen Bücherei Leipzig absolvierte sie folgend ein Fachschulstudium (1962–1965) trat dann ihre erste Stelle in Bitterfeld an. Der Verdienst als Bibliothekarin in der Industrie war besser, doch die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort (Leipzig / Bitterfeld) wurde nach der Geburt des Sohnes zum Zeitproblem. Die junge Frau wechselte deshalb in die Bibliothek der Akademie der Wissenschaften nach Leipzig, blieb sieben Jahre dort tätig. Umzugsbedingt entschied sie sich dann als Zivilbeschäftigte in der Nationalen Volksarmee zu beginnen, wurde dort im Kulturbereich aktiv. Hier erlebte sie die Strukturänderungen im Zuge der Wende. Sie konnte die Bibliothek übernehmen, doch das Ende dieser Arbeit war absehbar. In der LVA fand sie neue Herausforderung, war für die Registratur verantwortlich und begleitete die Aufbauarbeit dieser mit. Mit 58 Jahren ging sie krankheitsbedingt in den Ruhestand. „Wir haben die Wende beide gut überstanden, waren nie arbeitslos“, wirft Lothar Eberhardt ein und berichtet, dass sich dadurch auch der Traum vom eigenen Haus erfüllt hat. 1994 wurde es bezogen. Drei Kinder gehören zu der Familie, fünf Enkel und zwei Urenkel haben sie gemeinsam. Die Eheleute sind sportlich aktiv und sorgen für ihre Gesundheit. „Wir wollen noch eine Weile leben“, sagt Gudrun Eberhardt lachend und Mann Lothar ergänzt, dass es schön wäre, wenn das in einer Gesellschaft geschähe, die Anstand, Höflichkeit und Respekt wieder mehr für sich entdecken würde.