MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Dölitzscher
Mit Kopf und Herz und Hand
Lehrerin
07768 Hummelshain
In Jena geboren, Jahrgang 1940, wuchs Helga Dölitzscher in einer Handwerkerfamilie auf. Der Vater sah Probleme des Bäckereibetriebes zu DDR-Bedingungen und wollte für seine Kinder akademische Berufe. Helga besuchte 1947–1959 die Schule, machte das Abitur im altsprachlichen Bereich (Vater wollte Medizinstudium), studierte am Pädagogischen Institut in Erfurt, wurde Oberstufenlehrerin für Mathematik und Werken. Wegen Lehrermangel wurde das vierte Studienjahr zum Fernstudium umfunktioniert, so dass die Praxis 1962 begann. Die erste Stelle war eine kleine Schule mit Mehrstufenunterricht in Albersdorf (östlich von Jena). Als diese 1968 geschlossen wurde, erhielt sie eine Stelle in Jena, weil sie durch das Elternhaus keinen (damals knappen) Wohnraum beanspruchte. Sie startete an der kleinen Schule im Stadtteil Winzerla, die durch das Neubauwohngebiet bis 1972 zu der großen „Friedrich-Wolf-Oberschule“ anwuchs. Sie war Klassenlehrer, unterrichtete Mathematik und Werken, arbeitete aktiv in der Fachkommission „Werkunterricht“ der Stadt Jena mit, leitete regelmäßig Weiterbildungen für Jenaer Werklehrer, widmete sich ganz dem Werkunterricht, schrieb eine pädagogische Lesung, die sie in Kreis-, Bezirks- und DDR-Ebene vortrug. Im Fernstudium absolvierte sie zusätzlich die Ausbildung zum Leiter für künstlerisches Volksschaffen (Textilgestaltung), arbeitete an der Bezirksarbeitsgruppe für künstlerische Textilgestaltung mit (auch Ausstellungen), integrierte dieses Können in die Arbeit im Wohngebiet und in Arbeitsgemeinschaften, animierte die Kinder zu Kreativität und Forschung, beteiligte sich mit Schülern an der Schulhausgestaltung (Wandteppiche, Türgestaltung der Fachkabinette), organisierte Fachausstellungen. Durch Wohnung in Neulobeda und Schultausch mit einer Fachkollegin wechselte sie 1974 an die „Rosa-Luxemburg-Oberschule“ in Neulobeda, wo sie 25 Jahre blieb. Mit Ende der DDR-Strukturen 1990 kamen viele Veränderungen. Erfreulich war der Austausch mit den Polytechnikverantwortlichen der Kasseler Hochschule. Aber 1991, als in Jena das Lehrerpersonal rigoros ausgetauscht wurde, kamen auch schwierige Zeiten. Die Klassen der Unterstufen fielen weg. Die fast 20 Jahre eingespielte Kollegin wurde an eine andere Schule versetzt, der Werkunterricht wurde auf die Hauptschüler bis Klasse 9 erweitert. Die Materialstelle für Jenaer Werklehrer wurde abgeschafft. Neue Kollegen mussten angelernt und mit Material versorgt werden. Von der Kreissäge bis zur Sticknadel, von der technischen Zeichnung bis zur Kreativität, die Arbeit mit Kindern, deren Forschungsgeist zu wecken, das war ihr Arbeitsleben. 1999 nahm sie das Angebot vom Land Thüringen an, mit 58 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen, zog nach Hummelshain (bei Kahla) zur Mutter, um die sie sich kümmerte und lebt heute dort zurückgezogen. Sohn Jan (geb. 1972) lebt heute mit Frau und Tochter im Ausland, kommt aber sechsmal im Jahr nach Hause.