MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Annelore Dölz
Die Ergotherapie war ihre Welt
Postweg 1
04849 Bad Düben
Fon: 034243 / 23314
Sie war mit Leib und Seele Therapeutin – Ergotherapeutin. Zuletzt in eigener Niederlassung, hat Annelore Dölz Menschen nach orthopädischen Eingriffen geholfen, ihre Beweglichkeit (Motorik) anhand verschiedenster Angebote zu aktivieren. Wenn sie ihren Beruf erklärt, sagt sie lächelnd, „sowas wie basteln“ und nennt Töpfer-, Web- und Lederarbeiten, je nach Handicaps der Patienten, als Beispiele. Geboren 1944 als Tochter einer Köchin in Dresden, kam Annelore mit ihrer aus Tschechien stammenden alleinerziehenden Mutter 1949 nach Bad Düben. Ein Jahr ging das Mädchen dort zur Schule, kam dann in ein Kinderheim nach Leipzig und besuchte die Schule bis zur 10. Klasse. Weil die Mutter die ganze Woche beruflich im Moorbad Bad Düben eingespannt war, kam die Tochter nur an den Wochenenden nach Hause. Annelore Dölz spricht heute von einer guten Zeit. In diesem Heim erfuhr sie Wärme und Geborgenheit, Kameradschaft und soziales Miteinander, während ihre Mutter Geld verdienen musste. 1961 aus der Schule gekommen, studierte sie am Lehrerbildungsinstitut in Leipzig-Probstheida. Sie wollte gern Unterstufenlehrerin werden, doch daraus wurde nichts. Jung verheiratet und schwanger, brachte sie ihren einzigen Sohn Maik (1966 geboren, Orthopädiemechaniker, Busfahrer) zur Welt. Das Kind war sehr krank, so dass Annelore ihr Studium aufgab und täglich in die Kinderklinik nach Leipzig fuhr. „Nur ihr Sohn zählt jetzt“, hatten die Ärzte der jungen Mutter ans Herz gelegt. Ohne Arbeit und in einer beengten Wohnung (1-Zimmerwohnung ohne Bad, ohne Toilette, Waschmaschine im Keller, doch über ihr wohnte ihre Mutter, was die hygienischen Voraussetzungen erträglicher machte), ging die Ehe nach drei Jahren zu Bruch. Maiks Vater war als Busfahrer kaum zu Hause und Annelore - mit Unterstützung ihrer Mutter – sehr gefordert mit der Pflege ihres kranken Sohnes. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt“, erklärt Annelore Dölz rückblickend. Als der Junge mit drei Jahren in den Kindergarten kam, ging sie dank der Vermittlung ihrer Mutter ins Moorbad arbeiten. Als ungelernte Badefrau begann ihr Arbeitstag früh um 5 Uhr. Ihr Betrieb delegierte sie nach Leipzig an die Fachschule für Masseure. Im Bad Schmiedeberger Moorbad lernte sie 1973 auch ihren zweiten Mann Alfred Dölz (Masseur, Physiotherapeut, gestorben 2007) kennen. Das Paar heiratete 1979. Annelore Dölz wechselte als ausgebildete Masseurin an das Orthopädische Krankenhaus nach Bad Düben. Noch einmal betrat sie berufliches Neuland – nun auf dem Gebiet der Ergotherapie. Während sie sich im Fernstudium weiterbildete, kümmerte sich Alfred Dölz um ihren Sohn Maik und war dem Kind ein liebevoller Vater. Als Annelore Dölz in „ihrer“ orthopädischen Fachklinik in Bad Düben die Abteilung Ergotherapie einrichten und aufbauen durfte, hatte sie in einer völlig neuen Berufsgruppe ihre Welt gefunden, wie sie heute bekräftigt. Als die Wende kam, drohten infolge von Umstrukturierungen Entlassungen. Annelore Dölz gab sich in der Gewerkschaft kämpferisch, wurde Betriebsrätin und putzte viele Klinken. Mit Anfang 50 wagte sie voller Mut und Zuversicht einen Neuanfang. Sie machte sich selbstständig, eröffnete am 1. Juli 1995 ihre Praxis für Ergotherapie. Sie stellte sich bei 120 Ärzten in Sachsen und Sachsen-Anhalt vor und erläuterte unermüdlich das Verordnungsschema und die therapeutischen Inhalte für alle medizinischen Fachgebiete der Ergotherapie. Als ihr Mann 2005 sehr krank wurde, übergab sie die Praxis an ihren Sohn. Heute ist Annelore Dölz stolz auf das Gemeisterte. Glück bedeutet für die Rentnerin, die einen Enkel und einen Urenkel hat, Zufriedenheit und wenn es in der Familie stimmt. Sie möchte noch lange gesund bleiben, „immer was tun und mit Freunden zusammen mobil sein“.