MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dziubek
In allem den Willen Gottes gesehen
Diplom-Theologin
08496 Neumark
Trotz aller dunklen Wolken mit Krieg, Flucht und Nachkriegszeit, mit einer ihrem christlichen Verständnis konträren materialistischen und atheistischen Umwelt in der DDR, mit Schicksalsschlägen in der Familie – für Hildegard Dziubek stand das Leben immer unter einem guten Stern. Der Pfarrerstochter fiel es nie schwer, ihrem Glauben treu zu bleiben.
Geboren wurde sie 1931 in Markersdorf (Landkreis Guben). Nach zwei Jahren wechselte der Vater die Pfarrstelle und die Familie zog nach Rollwitz, wo Hildegard mit dem zwei Jahre älterem Bruder eine unbeschwerte Kindheit erlebte. Diese Zeit war unterbrochen als sie durch die nahende Front 1945, alleine mit flüchtender Tante, fünf Monate in Schönberg Zuflucht fand. In der Stadt Pasewalk konnte sie 1950 im altsprachlichen Zweig der Oberschule das Abitur ablegen. Auf Vaters Rat begann sie ein Theologiestudium an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald, das sie 1954 mit dem 1. Examen abgeschlossen hat. Doch da hatte sie dort mit Lothar Dziubek, ebenfalls Theologiestudent, schon den Mann fürs Leben kennengelernt. Sie verzichtete auf weitere Ausbildung, folgte ihm im Mai 1955 an seine erste Pfarrstelle im erzgebirgischen Johanngeorgenstadt, wurde nun Hausfrau und Mutter (eine Tochter, drei Söhne, davon einer zu früh verstorben) und versah den unbezahlten Beruf einer Pfarrfrau, die in der Kirchengemeinde weit über normale ehrenamtliche Arbeit hinaus präsent war. 1962 folgte das Pfarrerehepaar einem Ruf nach Oelsnitz im Vogtland, dort war Lothar Dziubeks Engagement für die kirchliche „Junge Gemeinde“ den Staatsorganen ein Dorn im Auge. 1970 wurden sie gebeten, wieder in Johanngeorgenstadt Dienst zu tun, wo sie bis 1985 aktiv waren, dann wechselten sie erneut, diesmal nach Neumark im Vogtland. Hier war Hildegard Dziubek einige Jahre direkt im Pfarramtsbüro angestellt. Als 1993 ihr Mann starb, blieb sie in Neumark, fand eine passende Wohnung. Von 1994–2000 übernahm sie ehrenamtlich die Leitung des Neumarker Kirchenchors, da sie seit Jahrzehnten in Chören singt! Dabei war 1998 anlässlich der 500 Jahrfeier der Neumarker Kirche ein Höhepunkt, als der Kirchenchor an dem Festkonzert mit der Vogtlandphilharmonie unter Leitung von Musikdirektor Fraas ( Reichenbach / Vogtland) beteiligt war. Das vorherige Einüben des Chorstückes mit Chor und Gastsängern aus dem Umgebung hatte Hildegard organisiert. Auch spielte sie Jahrelang im Flötenkreis mit. Von 1990 bis heute betreut sie ehrenamtlich im Pfarrsaal die Multiple Sklerose-Selbsthilfegruppe Neumark mit Kaffe, Kuchen und Tischschmuck. Der Kreis ist für alle offen, konfessionslos. Sie singt weiter im Kirchenchor, als Altistin und musiziert gerne. Große Freude bereiten Hildegard die Natur (Garten) und ihre drei Enkel und zehn Urenkel. Ihr Lebensmotto: Singen ist atmen der Seele.