MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Inge und Helmut Drobela
„Der Krieg prägt ganz gewiss.“ (Helmut Schmidt)
Textilfacharbeiterin, Filmentwicklerin, Angestellte
Klempner, Hauer, Dipl.-Ing. (FH)
Stadtparkhöhe 4
01662 Meißen
Fon: 02521 / 454325
Helmut Drobela, 1936 in Meißen geboren, verbrachte die ersten drei Jahre im Kinderheim und wurde dann zu einer Pflegefamilie vermittelt. Erst als er schulpflichtig und der Vater neu verheiratet war, konnte er wieder bei ihm wohnen. Doch das Glück hielt nur ½ Jahr. Der Vater fiel im Krieg, Sohn Helmut wurde vorübergehend zu den Großeltern gegeben. Als seine Mutter 1948 erneut heiratete, nahm sie ihren Sohn wieder zu sich. Zwei Jahre später beendete der Junge die Schule (1942–1950) und folgten dem Rat seines Stiefvaters: „Lerne Klempner, Töpfe werden überall gebraucht.“ Drei Jahre erlernte er den Beruf bei einem privaten Meister, wechselte danach in den VEB Jute-Spinnerei Meißen, wegen der besseren Verdienstmöglichkeit. “Da habe ich 10 Pfennig mehr gekriegt,“ berichtet er und, dass zu gleicher Zeit damals die Werbung für den freiwilligen Dienst bei der Kasernierten Volkspolizei begann. Schnell sprach sich herum: Was freiwillig war, sollte im folgenden Jahr zur Pflicht werden. Doch Helmut Drobela wollte keinesfalls eingezogen werden und sann auf Abhilfe. Die fand er mit der Arbeitsaufnahme in der SAG Wismut, deren Arbeitskräfte vom Pflichtdienst freigestellt waren. 1 ½ Jahre später kehrte er nach Meißen zurück, arbeitete bei einer Heizungs- und Sanitärfirma weiter. Erneuter Wechsel führte 1959 in den VEB Ausbau Großenhain, 1962–1967 zum Ingenieur-Fernstudium (Dipl.-Ing. für Heizung, Lüftungs- und Sanitärtechnik) und zum Einsatz als Technologe, Bauleiter und Abteilungsleiter. Nach der Wende blieb er im umstrukturierten Betrieb, später der DYWIDAG GmbH tätig. Mit 63 Jahren trat er in den Ruhestand. Ehefrau Inge (Hochzeit 1956) war bereits zu Hause. 1935 in Schlesien geboren, wurde ihre Kindheit geprägt von der Flucht aus Schlesien (im Januar 1945 entlang der Neiße nach Hainichen, Mutter und zwei Geschwister mussten sechs Wochen ins Krankenaus, danach Unterbringung in Massenunterkünften und dann weiter nach Nossen, wo sie nach insgesamt sechs Monaten Unterwegssein ankamen), dem Verlust des Vaters durch schwere Kriegsverletzung und folgendem Tod, dem Kampf der Mutter um den Aufbau einer neuen Existenz für sich und die vier Töchter, von Hunger, Kälte , Krankheit und Not. „Barfuß und mit selbstgestrickter Kleidung wurden wir Flüchtlingskinder oft benachteiligt“, berichtete sie von dem Gang in die Schule nach Kriegsende. 1951 begann sie eine Ausbildung zum Textilfacharbeiter, die sie 1953 als Facharbeiterin erfolgreich beendete und im Anschluss sechs Jahre lang selbst Lehrlinge ausbildete. Seit 1956 verheiratet und sich über die Geburten der Söhne Frank (geb. 1956, Dipl.-Ing.) und Sander (geb. 1959, Ing. für Maschinenbau) freuend, befand sich die Familie in der schwierigen Lage: Keinen Krippenplatz für die Jungs, keinen geeigneten Wohnraum. Sechs Jahre blieb Inge Drobela zu Hause, verbachte die Zeit mit der Kinderbetreuung, organisatorischen Arbeiten und Rennereien um den Familienalltag zu verbessern (fünf Jahre). 1961 konnte die Familie nach 600 Arbeitsstunden und geleisteten Geld-Anteilen an die AWG-Genossenschaft eine Wohnung beziehen, da eine Frau in den Westen gezogen war. Später konnte sie erst halbtags in einem Fotolabor, (11 Jahre) dann ab 1979 ganztags in der Poliklinik arbeiten. Eine Weiterbildung ermöglichte ihr Verwaltungsarbeit auf der chirurgischen Station. „Die interessanteste Tätigkeit meines Lebens,“ beschreibt sie diese Zeit. Mit 55 Jahren trat sie über den Vorruhe- in den Ruhestand und entging damit den wendebedingten Änderungen, Entlassungen und Wandlungen. Mit Optimismus, Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen hat das Paar sein Leben gestaltet. Sie sind stolz auf die Entwicklung der Söhne und der drei Enkelkinder, freuen sich über regelmäßige Treffen. Ihr einziger Wunsch: Frieden. „Wenn man einmal Krieg erlebt hat...,“ sagt Inge Drobela nachdenklich.