MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Domke
Mit dem Fahrrad zum Briefkasten
Rentnerin
12681 Berlin
Es waren keine leichten Zeiten für Christa Domke, Jahrgang 1935. Geboren mitten im 2.Weltkrieg, groß geworden mit drei Geschwistern, während des Krieges in Berlin ausgebombt, mit der einen Schwester etwa 18 Monate nach Naumburg, eine kurze Schulzeit, 9.Klasse-Abschluss. Zwischen 1951 und 1953 konnte die junge Christa eine Lehre beim Postbetriebsdienst absolvieren. Hier lernte sie alles rund um den Postdienst: Landzustellungen mit dem Fahrrad, Schalterdienst, Geldzählen. Nach der Lehre arbeitete sie dort weiter. Zu Beginn fuhr sie noch mit dem Fahrrad zu den Post-Briefkästen, um diese mit einer großen Ledertasche zu leeren. Später stand sie hinter dem Schalter. Die geborene Frau Thiem wechselte zum Postscheckamt und lernte ihren späteren Ehemann Helmut Schröder (Heirat 1954) kennen. 1960 wurde zum zweiten mal geheiratet und Frau Domke blieb erst einmal zu Hause. Fünf Kinder hat Christa Domke: Zwei aus erster und drei aus zweiter Ehe. Heute zählen noch acht Enkelkinder und vier Urenkel zur Familie. Die fünffache Mutter ging dennoch immer wieder arbeiten, als Kabelbinderin und Löterin, als Schaffnerin bei der Straßenbahn. Da musste sie dem Fahrer noch ein Zeichen geben, wann er weiterfahren durfte. Mann Helmut war lange Zeit auf Montage und kam nur an den Wochenende. Dann blieb sie der Kinder wegen zu Hause. Als diese größer waren, arbeitete die fröhliche Frau in einer Eisdiele als Verkäuferin: eine Woche Außer-Haus-Verkauf, eine Woche Bedienung im Haus. Später wurde sie Sachbearbeiterin und erstellte die Lochstreifen für die alten Computer, bildete sich weiter und wechselte im Unternehmen ins Vertragswesen. Als Bearbeiterin für Investment blieb sie bis zu ihrem Vorruhestand dort. Christa Domke liebt das Reisen. Bereits zu DDR-Zeiten ist die Familie einmal im Jahr während des Urlaubs herumgereist. Nach der politischen Wende in Deutschland konnten sie endlich viele neue Länder sehen, die vorher undenkbar gewesen wären. Ihre letzte gemeinsame Reise ging nach Indien – eine fantastische Zeit! Leider ist ihr Helmut mittlerweile an Demenz erkrankt und kann nicht mehr zu Hause leben. Christa Domke ist froh, dass die Kinder sie so unterstützen. Jetzt liest sie viel oder schaut Krimis und Liebesfilme im Fernsehen. Auf dem Balkon der Marzahner Wohnung, in der sie seit 1978 mit ihrem Helmut lebte, wachsen große Tomatenpflanzen. „Ich hab den grünen Daumen“, sagte Christa Domke und lacht.