MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ursula und Günther Dietz

Lange Fahrt durchs Leben

Ursula und Günther Dietz

Feinmechanikerin
Lokomotivführer
Schillerstr. 17
09557 Flöha

Als Nachbarskinder in Holzhausen bei Leipzig kannten sie sich schon lange, ehe sie ein Paar wurden und 1960 heirateten. Günther Dietz kam 1936 in Leipzig auf die Welt, wuchs mit einer deutlich älteren Schwester auf. Kriegszeiten mit Hunger und Bomben (ein Schulbanknachbar wurde getroffen) bestimmten seine Kindheit wesentlich mit. Schon im Vorschulalter fand er Interesse an den Zügen, die durch Holzhausen Richtung Leipzig oder Chemnitz rollten, so stand sein Berufswunsch früh fest und ließ sich später sogar erfüllen. Von 1943–1951 hatte er die Schule besucht und ließ sich in Vorbereitung auf die Tätigkeit als Lokomotivführer im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Engelsdorf in zwei Jahren zum Betriebsschlosser ausbilden. Ein Jahr blieb er noch dort, dann wechselte er zum Bahnbetriebswerk Leipzig Hbf Süd und konnte seinen Traumberuf in Angriff nehmen. Die harten Zeiten als Heizer, damals waren noch vorwiegend Dampflokomotiven im Einsatz, wurden bald von der Freude abgelöst, die schweren Maschinen selbst steuern zu können. 1957 hatte er seine Prüfung abgeschlossen, war von da an fünfunddreißig Jahre für die Deutsche Reichsbahn im verantwortungsvollen Einsatz. 1961 wechselte er zum Standort Flöha, es erwartete ihn ein vielseitiger Typenpark, zu dem bald – nach jeweils entsprechender Weiterbildung – die Triebwagen, Diesel- und die Elektrolokomotiven gehörten. Lange bildete er als Lehrlokführer (heute Ausbildungslokführer) auch den Nachwuchs aus. 1992 ging Günther Dietz in den Vorruhestand, doch ließ ihn das Eisenbahnwesen nie los. Einmal im Monat fachsimpelt er mit ehemaligen Kollegen, zweimal im Jahr treffen sich die ehemaligen Lehrlokführer. Fast selbstverständlich ist, dass er noch die eigene Modelleisenbahn pflegt. Im Förderverein Diesel-Schnelltriebwagen (SVT) e. V. ist er seit Bestehen Mitglied, verfasste, z. T. mit Mitstreitern, selbst historische Fachliteratur zu diesem Spezialgebiet. Längst sind die „goldenen“ Zeiten der glücklichen Ehe angebrochen, zu der Frau Ursula gehört. Sie wurde als Ursula Baumann 1939 in Holzhausen geboren, wuchs als Einzelkind auf, vorwiegend allein mit der Mutter, denn der Vater hatte im Krieg zu dienen und war dann in sowjetischer Gefangenschaft. 1946–1954 besuchte sie die örtliche Schule, begann nach dem Abschluss der 8. Klasse eine Lehre im Funkwerk Leipzig als Feinmechanikerin. Dort arbeitete sie im Beruf, bis 1962 der Umzug nach Flöha erfolgte, wo ihr Mann gebraucht wurde und sie bessere Aussichten auf gemeinsamen Wohnraum hatten. Doch der Schicht- und Überstundeneinsatz von Günther Dietz war eigener Berufstätigkeit nicht mehr förderlich, zumal sie in Holzhausen die später durchaus betagten eigenen Eltern und den dortigen großen Garten zu betreuen hatte, weshalb das Ehepaar über viele Jahre an seinen freien Tagen eher in Holzhausen als in Flöha anzutreffen war.
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