MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Christel Dietsch

„Wir wollen unsere Wasserburg retten“

Christel Dietsch

Maschinenbauingenieurin
99510 Apolda

Sie ist eine Kämpfernatur und hat auch deshalb gesundheitlich viele Federn lassen müssen. Doch Christel Dietsch aus dem thüringischen Niederroßla wäre nicht sie selbst, wenn sich die Mutter eines Sohnes (Falko, geboren 1967, betreibt eine Zimmerei in Niederroßla) unterkriegen lassen würde. Noch im Alter engagiert sich die Maschinenbauingenieurin, glücklich verheiratet seit 1965 mit ihrem Hans-Jürgen, ehrenamtlich in der Heimatpflege. Geboren 1941 in Niederroßla im heutigen Kreis Weimarer Land, hat Christel Dietsch noch schwache Erinnerungen an das Kriegsende. Als kleines Mädchen erlebte sie 1945 den Durchzug der Amerikaner, die ihr Haus beschossen hatten. „Wir waren im Keller, mein Opa hisste eine weiße Fahne, es hatte gebrannt…“, blickt sie zurück. 1948 kam Christel in ihrem Heimatdörfchen zur Schule und lernte dort bis zur 6. Klasse. Danach besuchte sie die Schule in Apolda, erwarb den Abschluss der 10. Klasse – als Klassenbeste, hatte nur Einsen auf dem Zeugnis und wollte zur Oberschule. Doch das wurde ihr verwehrt, weil Christels Vater Handwerker war und nicht der Arbeiterklasse angehörte. Sie wäre gern Kapitän, Pilot oder Förster geworden. Schließlich absolvierte die junge Frau eine Lehre zur Technischen Zeichnerin bei Textima in Apolda. Ihr Abitur machte die ehrgeizige Christel nebenbei an der Volkshochschule. Im Frühjahr 1962 beendete sie ihre Ausbildung, die ursprünglich zweieinhalb Jahre dauerte, ein halbes Jahr früher. Nach ihrer Lehrzeit studierte die Thüringerin drei Jahre in Karl-Marx-Stadt. Ihr Ausbildungsbetrieb Textima (Textilmaschinen) hatte sie zum Ingenieurstudium mit der Spezialrichtung Konstruktion delegiert. Nach der Rückkehr in ihren Apoldaer Betrieb arbeitete Christel Dietsch zunächst als Konstrukteurin, später als Leiterin der Forschungsabteilung. Bis 1992 entwickelte die Ingenieurin zusammen mit Zeichnern und Konstrukteuren Maschinen für die Textilindustrie, unter anderem Bügelmaschinen und Pressen. Diese Maschinen, die im Textima Apolda (gehörte zum Kombinat Textima Karl-Marx-Stadt) entstanden, wurden ins sozialistische Ausland verkauft. Christel Dietsch stellte die Maschinen in der Sowjetunion, CSSR und Ungarn sowie in Rumänien und Bulgarien vor. Nach der Wende wechselte der Name des VEB Textima in Presatex Apolda. Den Niedergang erlebte sie mit, wurde zwischenzeitlich als hochqualifizierte Frau entlassen, weil sie vorgeschlagen hatte, den Betrieb zu privatisieren. Sie wurde laut Gericht wieder eingestellt, erkrankte schwer und erhielt nur eine geringe Abfindung. Christel Dietsch schaffte es aber, sich beruflich neu zu orientieren. Ihr Vater hatte (nach langem Ringen mit der Treuhand auf LPG-Gelände) eine Zimmerei im Haus betrieben, die ihr Sohn neu gründete und aufbaute. Dort stieg sie mit ein und blieb bis Mitte der 1990er Jahre im Berufsleben. Danach erwerbsunfähig, engagierte sich die Oma von drei Enkeln und Uroma eines Urenkels für den Aufbau der Wasserburg in der Heimatregion. Zusammen mit ihrem Mann züchtete und pflanzte sie hunderte Bäume in der und um die Gemeinde Niederroßla und schreibt sie weiter an der Ortschronik.
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