MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ilse Dittmar

„Sage nicht ja, wenn du nein sagen willst!“ (Leitspruch von Ilse Dittmar)

Ilse Dittmar

Heinrich-Heine-Str. 10
04758 Oschatz
Fon: 03435 / 926503

Ilse Dittmar, geb. 1937 in Strocken erinnert sich: Ein kleines verschlafenes Dorf war ihr Geburtsort. Zur Schule ging es in das 1,5 km weitere Sornzig (1943–1951) – zu Fuß bei Wind und Wetter. Im Winter per Holzpantoffeln, um besser schlittern zu können und mit einem Jungen-Ranzen mit rotem Deckel, den sie hasste. Die Mutter störte das wenig. Doch als der Vater 1947 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, schenkte er dem Mädchen eine richtige Aktentasche und machte es überglücklich. Sie liebte ihren Vater sehr, während sie sich von der Mutter nicht angenommen fühlte. Hart im Umgang mit ihr und fordernd in den Aufgabenstellungen ihr gegenüber, so schildert sie diese. „Ich musste schon als Kind regelrecht schuften“ erzählt Ilse Dittmar und davon bereits 10-jährig für die Gänsefutterbereitung und das Gänsehüten auf den Feldern am Dorfrand herangezogen worden zu sein sowie auch auf der elterlichen Obstplantage gearbeitet zu haben. Zeitig hegte sie einen Wunsch für ihre Zukunft: Verkäuferin wollte sie werden. 1949 wurde die Handelsorganisation (HO) gegründet. 1951 bewarb sie sich dort um eine Lehrstelle. Doch die Stellen waren besetzt, so dass sie erst ein Jahr später die Lehre beginnen konnte. Nach zwei Jahren (1954) hielt sie den Facharbeiterbrief in den Händen, arbeitete in einem Lebensmittelladen. 1955 erhielt sie das Angebot sich zum Lehrausbilder weiterzuentwickeln. Sie begann zwar diese Schule, fühlte sich aber nicht wohl in ihrer neuen Rolle. Selbst noch blutjung, anderen jungen, fast gleichaltrigen Menschen als Lehrer vorzustehen, dafür fühlte sie sich ungeeignet. Das folgende Angebot, als Verkaufsstellenleiterin tätig zu werden, entsprach mehr ihrem Wesen. Dass sie in dieser Funktion in einem Kunden ihren späteren Mann (Ernst, Bauingenieur, Stadtbaudirektor, verstorben 2010) fand, war besonders schön. „Ich bin heute noch unendlich dankbar, dass ich meinen Mann kennengelernt habe“, berichtet sie über diese schicksalshafte Begegnung, bei der aus dem Einkaufen, Kinobesuche, tägliche Unzertrennlichkeit, Liebe, Ehe und Familie wurde. 1957 wurde geheiratet, im gleichen Jahr Sohn Uwe (Prof. Dr.-Ing. Maschinenbau, zwei Kinder) geboren. Ilse Dittmar hatte indessen ins Bankwesen gewechselt und arbeitete in der Bauernbank als Kontenführer. Zur Kindererziehung blieb sie drei Jahre zuhause Dann wurde sie wieder als Verkäuferin tätig. „Eine schöne Zeit war das damals. Wir haben gearbeitet und hatten Spaß daran“. Und doch wechselte sie nochmal die Arbeitsstelle. Im Rat des Kreises Abteilung Finanzen begleitete sie die Einführung der EDV in den 70-er Jahren, blieb neun Jahre tätig. Auf Grund vielfältiger Funktionen ihres Mannes immer massiver bedrängt selbst auch gesellschaftlich aktiver zu werden, entschied sie sich dagegen um die Zeit für die Familie zu behalten und ihrem Mann weiter den Rücken freihalten zu können. Sie wechselte in das Gesundheitswesen, war in der zentralen Apothekerbuchhaltung eingesetzt. Doch mit der Wende fiel diese Arbeitsstelle dem Rotstift zum Opfer und sie wurde arbeitslos – mit 58 Jahren! Bei der Sparkasse konnte sie nochmal befristet Anstellung finden, dann folgte wieder Arbeitslosigkeit und später die BU-Rente und Rente. „Ich bin für alles was mir wiederfahren ist dankbar“ resümiert Ilse Dittmar. Am liebsten liest sie heute und interessiert sich dabei für jedes Genre – „quer Beet“ – wie sie es nennt. Im Kulturbund engagiert sie sich seit 2013 und die 1/4 –jährlichen Treffen mit Kolleginnen aus der Lehrzeit bei der HO sind fester Bestandteil in ihrem Leben. Wenn sich nun noch der Familienkontakt intensivieren ließe, wäre das Glück vollkommen.
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