MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate und Gerhard Dietzel
Die Grenze avancierte zum Liebeslotsen
Schuhfacharbeiterin i. R.
Dreher und Passkontrolleur i. R.
07356 Bad Lobenstein
Beider berufliche Tätigkeit führte einst an die DDR-Grenzübergangsstelle Hirschberg, welche zum Liebeslotsen avancieren sollte. Das Paar lernte sich kennen und heiratete am 19. Juni 1970. Zwei Kinder wurden geboren und heute sind Dietzels stolze Großeltern eines Enkelsohnes.
Geboren wurde Gerhard Dietzel am 17.10.1943 Gorndorf. Nach der Schule ließ er sich im Saalfelder Zeiss Werk zum Dreher ausbilden und begab sich im August 1961 noch nicht ganz volljährig zur Grenzpolizei. 1964 wieder in seinem Betrieb tätig, warb ihn 1966 die Eisenbahn in Probstzella als Passkontrolleur im Zugverkehr an. Mit Fertigstellung des Autobahnüberganges wurde Gerhard Dietzel 1967 zur Abfertigung des Transitverkehrs in Hirschberg eingesetzt. 1990 wurden die Passkontrollen eingestellt. Deutschland war wieder vereint. Noch für eine Weile dem Grenzabbaukommando angehörend, widmete sich Gerhard Dietzel mehreren Weiterbildungen, half für kurze Zeit seiner Schwester in deren Geschäft und übernahm Nachtdienste für eine Wachschutzfirma. 1994 erhielt er bei Metallverarbeitung Göhring eine neue Arbeitsstelle, war dort bis zur Rente 2004 beschäftigt und hilft noch heute gelegentlich aus.
Renate Dietzel erblickte das Licht der Welt am 04.06.1948 in Neuhaus am Rennweg. Nach Ende der ersten Klasse zog die Familie nach Dresden, später nach Saalfeld. Grund für die Umzüge war der Beruf des Vaters. Als Glasbläser war er stets in Außenstellen von Zeiss eingesetzt. In Saalfeld beendete sie die 10. Klasse, ging als Basketballerin 1964 mit einer perfekten Größe von 1,94 m an die Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport nach Leipzig und nahm eine Ausbildung zur Kinderpflegerin auf. In dieser Berufsrichtung wurde ihr ihre Körpergröße zum Verhängnis. Sie musste abbrechen.
Zurück in Saalfeld begann sie 1966 beim Zoll in Probstzella und wurde noch im Dezember gleichen Jahres in die Telefonzentrale des Grenzübergangs Hirschberg delegiert.
Ab Dezember 1970 das Babyjahr nutzend, war Schichtdienst nach Geburt ihres Töchterchens Ira nicht mehr möglich. Sie half als Schulsekretärin aus, begann 1972 in der Schuhfabrik Lobenstein und erlangte ihren Abschluss als Schuhfacharbeiterin. Ab 1991 qualifizierte sich Renate Dietzel ebenfalls, engagierte sich innerhalb der Arbeitsloseninitiative und übernahm in letzter Berufsetappe von 2004/12 die Pausenversorgung im Gymnasium.
Nach Lobenstein war die Familie 1971 gezogen. 1978 wurde Sohn Marcel geboren. Gesundheitlich eingeschränkt, ist er in einer Behindertenwerkstatt beschäftigt.
Renate Dietzel bildet sich gern über das Fernsehen. Ihr Mann geht im Garten auf, beobachtet täglich das Gedeihen seiner Gewächshauspflanzen und der Wunsch für die Zukunft umreißt – Gesundheit und Frieden.