MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Osmar Dietrich
Handwerkliche Geschicklichkeit
Bürstenmachermeister
08237 Steinberg
Im erzgebirgischen Oberstützengrün 1926 geboren, lernte Osmar Dietrich schon zeitig Selbständigkeit. Als er mit elf Jahren den Heimatort verließ, um in Zwickau die Oberschule zu besuchen, brachte das Leben im Internat die Herausforderung, vieles selbst entscheiden zu müssen. Ab 1942 besuchte er die Wirtschaftsoberschule, doch kurz vor dem Abitur griff ihn die Armee. Nach halbjähriger Offiziersausbildung ging es an die Ostfront. Viele seiner Kameraden blieben im Krieg, Osmar Dietrich überlebte, schlug sich nach Hause durch, musste sich verstecken, bis neue Ausweispapiere verhinderten, dass er doch noch als Kriegsgefangener abwanderte. Wie für seinen Vater, der einen Betrieb der Bürstenfabrikation betrieb, wurde dieses Handwerk dann auch für ihn lebensbestimmend. Während sein Bruder den väterlichen Betrieb fortführte, heiratete Osmar Dietrich eine Tochter des Bürstenmachers Fügert im nahen Rothenkirchen (heute Ortsteil der 1994 gegründeten Gemeinde Steinberg). Er legte die Gesellenprüfung ab, konnte auch seinen Handwerksmeister machen, übernahm 1960 von der Schwiegermutter die Firma. In der Bürstenmachergenossenschaft BÜMAG e. G., 1946 gegründet und noch heute in Funktion, hatte er die Grundlagen für gemeinsamen Materialeinkauf und Vertrieb der Produkte. Osmar Dietrich spezialisierte sich auf die Pinselherstellung, erlebte, wie Maschinen die vorher rein manuelle Produktion steigerten. Als 1990 neue Marktstrukturen griffen, sich der Absatz schwieriger gestaltete, entschied er sich für den Übergang in das Rentnerdasein. Doch blieb er bis heute der Genossenschaft als Mitglied verbunden, hielt den Kontakt mit den Zunftkollegen.
Mit seiner Frau Inga (Heirat 1949) verband ihn das gemeinsame Interesse am Rallye-Sport. Er liebte den Sitz am Lenkrad, sie studierte die Karten und war eine glänzende Navigatorin. Im Rahmen des Allgemeinen Deutschen Motorsport Verbandes (ADMV) führten sie Rallye-Touren durch die ganze DDR, sie belegten auch vordere Plätze. Seit Frau Inga vor 16 Jahren für immer von ihm ging, vermisst Osmar Dietrich die Gefährtin seines Lebens. Da freut es ihn, dass Sohn Jörg und der Enkel mit im Haus leben, er familiären Halt genießen darf. Trotz dieser besten Betreuung begann für ihn eine neue Zeit. Zwei Gelenkoperationen wurden bestens überstanden, Kreativität war gefragt. Kochen, backen, Hauswirtschaft wurde zur Hauptbeschäftigung. Dazu kam zweimal wöchentliches Fitnesstraining und Nordic Walking im Kuhberggebiet bei Rothenkirchen. Diese Aktivitäten halten ihn geistig und körperlich fit.