MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Dietrich
„Erinnerungen sind Wärmflaschen fürs Herz.“ (Rudolf Fernau)
Angestellte in Gemeindeverwaltung
Zur Salzsstr. 5
01612 Nünchritz
Im Sommer 1936 in Goltzscha als Christa Zeibig geboren, blickt Christa Dietrich auf eine schöne Kindheit zurück. Sie erinnert sich an die häufigen Aufenthalte bei den Großeltern väterlicherseits, an den Schulweg entlang einer Kirschbaumallee (zum Rittergut Merschwitz gehörend) und die einmal zurückgelassenen Ranzen als die Kinder Reißaus nahmen um nicht beim mausen erwischt zu werden. Geholfen hat das nichts. In der Schule angekommen, wusste der Lehrer schon Bescheid und ahndete die Verfehlung mit dem Rohrstock, was damals nicht nur zulässig, sondern auch üblich war. Inspiriert von der Gärtnerei eines Onkels, plante Christa nach der Schule (1942–1950) einen gärtnerischen Beruf zu ergreifen. Bereits in Vorfreude darauf und mit einem entsprechenden Lehrvertrag in der Tasche, zerbrach der Traum jedoch, weil sie sich kurz vor Lehrantritt den rechten Arm brach. Zwangsläufig besuchte sie also die Handelsschule und nahm die Arbeit in der Gemeindeverwaltung Goltzscha auf. „Ich war Mädchen für alles, habe mein ganzes Berufsleben dort verbracht und sollte auf Grund meiner Erfahrungen und guter Arbeit zur Verwaltungsfachschule delegiert werden. Doch familiäre Gründe sprachen dagegen. Mein Mann Siegfried (Hochzeit 1954, verstorben 1999) war Berufskraftfahrer und seine Arbeitszeiten, die Betreuung und Erziehung unserer Kinder Volkmar (geb. 1954, BMSR-Techniker) und Elvira (geb. 1956, Postangestellte) ließen den zusätzlichen Zeitaufwand für mich nicht zu,“ berichtet Christa Dietrich, die auch ohne diese theoretische Zusatzausbildung durch ihre praktischen Erfahrungen der vielen Arbeitsjahre zur Institution in der Gemeindeverwaltung wurde und zudem als Gemeinderatsmitglied agierte. „Zehn Bürgermeister habe ich erlebt, die politischen Wende in der DDR und folgenden Entlassungen im Verwaltungsapparat überlebt, bis ich 1995 in die Rente ging,“ erzählt sie von strukturellen Änderungen, Herausforderungen, denen sie sich stellte und die unvergessene Zusammenarbeit, insbesondere mit ‚ihrem ersten Bürgermeister‘ Alfred Wagner. Vierteljährliche Treffen mit Kolleginnen bieten heute regelmäßig die Möglichkeit in Erinnerungen zu schwelgen, sich auszutauschen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Christa Dietrich ist ein kontaktfreudiger Mensch, schätzt den Zusammenhalt mit den ehemaligen Arbeitskollegen, ehemaligen Klassenkameraden und der Familie sehr. Obwohl Sohn Volkmar im Haus wohnt, die Enkel und Urenkel ihr Leben bereichern, fehlt ihr Ehemann Siegfried noch immer sehr. „Wir hatten 45 sehr schöne Jahre miteinander, er hat mich immer unterstützt, war mein Vorbild und Halt“ sagte sie, traurig über seinen frühen Tod. Ihr größter Wunsch ist es, noch viele gesunde Jahre erleben zu dürfen um die Entwicklung von Enkeln und Urenkeln verfolgen zu können – teilweise auch ganz modern per Skype!