MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Rudolf Dietel

„Nie wieder Krieg!“

Rudolf Dietel

Bergbauingenieur i. R.
08280 Aue

Ein Alptraum ist nichts gegen seine Kriegserlebnisse, die ihn bis heute verfolgen. Am 23.08.1931 in Sosa geboren und aufgewachsen, fielen mehrere Verwandte bei den Gefechten. Besonders ein Datum vergisst Rudolf Dietel nie. Am 19. April 1945 erlebte er, wie KZ-Häftlinge am Waldesrand vor seinen Augen erschossen wurden – nicht nachvollziehbare Verbrechen, die sich im Geist eingemeißelt haben. Als der Krieg zu Ende war, begannen Hungersnöte erst richtig. Hunger über Hunger war steter Begleiter und aus schierer Verzweiflung ernährte sich die Familie von Otterzungen, einer grasähnlichen Pflanze. Da viele seiner Vorfahren als Kellner arbeiteten, wollte auch er in der Gastronomie Fuß fassen. Dies gelang nicht. Über die Bekanntschaft seiner Mutter mit einem Bergmann, organisierte sie ihrem Sohn Arbeit im Schacht. Beginnend als Haldenarbeiter, verschaffte ihm ein Steiger, der seinen im Krieg gefallenen Vater noch kannte, ein Radiometer und eine Zeitlang widmete er sich der Kübelvermessung. Eines Tages erklärte ihm der Obersteiger: „Du bist jetzt 16 Jahre alt. Ab nächsten Monat fährst Du ein!“ Er tat es unter der Registriernummer 27304. Auch diese Zahl kann er nicht vergessen. Als Fördermann hatte Rudolf Dietel extrem schwere Arbeit zu verrichten, welche auch später als 2. Hauer nicht leichter wurde. Ab und zu erhielten die Bergleute sogenannte Stalinpakete mit Mehl, Zucker, Fleisch und auch Anzugstoffen. Einen einzigen Tag fehlte Rudolf Dietel unentschuldigt. Es war der 23. August. Stalinpaket und Anzugstoff wurden gestrichen (0-Schicht). Erst nach Beschwerden und Dank eines Fürsprechers erhielt er Anzugstoff im Stalinpaket. 1959 an die Bergschule Freiberg delegiert, widmete er sich seiner Steigerausbildung und lernte seine spätere Ehefrau Maria kennen. Danach wurde er 19-jährig als Steiger eingesetzt und sinniert: „Ich weiß heute noch nicht, wie ich alles geschafft habe. Doch die Disziplin war vorhanden und jeder Weisung wurde nachgekommen.“ Sein Studium schloss Rudolf Dietel als Bergbauingenieur ab und avancierte zum Leiter der Abteilung Witterung und Klimatisierung. Die Schachttemperaturen mussten herunter gekühlt werden und oft war er Tag und Nacht im Einsatz. Die nächste Etappe bestritt er als Grubenbereichsleiter, wechselte als Abteilungsleiter und somit Hauptdispacher zur Generaldirektion und betreute 12 Jahre lang 21 Betriebe. 1992 wurde die Dispacherabteilung eingestampft und das Ende des Berufslebens eigeläutet. Seit 2012 Witwer, machen vier Söhne und eine große Schar an Enkeln und Urenkeln das Leben dennoch lebenswert. Gern werkelt Rudolf Dietel im Garten und bis zum letzten Atemzug wird der Pensionär appellieren: „Nie wieder Krieg!“
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