MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Hans-Joachim Dichte

Es ist, wie es ist

Hans-Joachim Dichte

Am Rosenhag 2
06886 Lutherstadt Wittenberg
Fon: 03491 / 442776

Hans-Joachim Dichte, 1940 als Sohn einer Verkäuferin und eines Modelltischlers geboren, hatte in der DDR als Arbeiterkind alle Möglichkeiten der Entwicklung. Er absolvierte die 10-jährige Schulbildung, lernte im Stickstoffwerk Piesteritz den Beruf Chemielaborant und nutze die Chancen zu beruflichem Fortkommen. Nach seinem Meisterstudium wurde er in der organischen Glasanlage als Meister eingesetzt, nahm später ein Angebot des Bereiches Arbeitsökonomie an, arbeitete in der Wettbewerbsgruppe. Zweimal wurde er als Aktivist ausgezeichnet. „Zu Regierungstreu“ hieß es, als nach der Wende diese Arbeitsgruppe aufgelöst wurde. Dabei galten seine und die Arbeit der Kollegen doch fachlichem Fortschritt! Er hatte sich immer diesem Grundsatz der Entwicklung verschrieben, auch außerbetrieblich. Als Vorsitzender des Wohnbezirksausschusses setzte er sich 10 Jahre lang für die kleine Stadtrandsiedlung ein, in der er lebte. In der Kommission Ordnung und Sicherheit des Rates des Kreises wirkte er im Interesse der Allgemeinheit bis zur Wende. Nun war er also politisch fehl am Platz, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Einsatzfreude oder gar berufliches Fachwissen wurden diesem Brandmal geopfert. Gekündigt, zu alt zum arbeiten, zu jung zum nichts tun, hangelte er durch Arbeitslosigkeit und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, bis zum Renteneintritt im Jahr 2000. Ehefrau Christine, 1943 geboren, erlebte ähnliches. Der Facharbeiterabschluss als Laborgehilfin nutze nichts, die Praxiserfahrungen aus den Jahren der Tätigkeit als Verkäuferin brachten keine Arbeitsvermittlung. Fünf Kinder hat sie geboren. Katrin (1966) ist heute in der Datenverarbeitung tätig, Gabi (1968) ist Beamtin. Ronny (1970) ist Schlosser geworden, Peter (1973) Chemiefacharbeiter. Yvonne hat Fleischerin gelernt und allesamt haben den Dichtes acht Enkel beschert. Eine Zeit lang hat Christine Dichte nach der Wende noch in der Altenpflege gearbeitet, bis sie selbst Frührentnerin wurde. Jetzt setzt die Gesundheit den Eheleuten Grenzen in ihrer Entscheidungsfreiheit, womit die ihre freie Zeit verbringen. Die Ausflüge mit dem Auto sind unmöglich geworden, die Gartenarbeit nur noch eingeschränkt machbar. Und trotzdem sind beide zufrieden. Auch wenn heute manche Ungerechtigkeit die Menschen trifft, die es in der DDR so nicht gab, weil es weniger soziale Unterschiede gab – es ist gut, so wie es ist und zurückschauen bringt nichts. Wichtig ist doch eigentlich sowieso nur, gesund zu bleiben und gemeinsam noch ein paar friedliche Jahre verbringen zu können.
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