MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr.-Ing. habil. Volkmar Dienhold
Fachmann, zerrieben in den Mühlen politischer Systeme
Professor für Informatik
Königsberger Straße 20
01324 Dresden
Die Politik bestimmte sein Leben weit mehr, als ihm lieb sein konnte. Die Mitgliedschaft in der SED, eine der Voraussetzungen zur Berufung zum Professor, wurde ihm zum Verhängnis, als das neue sächsische Wissenschaftsministerium ihn deswegen „abwickelte“, obwohl eine positive Evaluierung durch die Fachgremien und eine lobende Fürsprache namhafter Kapazitäten erfolgte.
Begonnen hatte sein Leben 1937 in Dresden, die Bombardierung Dresdens 1945 erlebte er bereits bewusst, im Stadtteil Zschernitz, in dem er aufwuchs, in unmittelbarere Nähe des schrecklichen Geschehens. Das Wohnhaus und das Zentralhotel, von der Mutter geführt, wurde zerstört, so ging es für die nächsten Jahre in ein osterzgebirgisches Dorf, bevor Oberschule und Internat in Dresden seine weitere Ausbildung förderten. Das Studium an der Technischen Hochschule seiner Heimatstadt absolvierte er im Fachbereich Konstruktion der Fakultät für Luftfahrtwesen. 1962 wurde er Assistent an der Fakultät Verfahrenstechnik im Institut für technische Physik Merseburg (die Luftfahrzeugbaupläne der DDR waren schon Geschichte). Hier konnte er 1967 promovieren. 1970 arbeitete er kurz als stellvertretender Leiter des Rechenzentrums im VEB Chemiekombinat Buna, sein Einstieg in die Informatik. 1971 ging es nach Dresden zurück, an der Ingenieurhochschule Dresden (später in die Technische Universität integriert) wurde er Dozent für Programmierungstechnik, stieg zum stellvertretenden Sektionsleiter auf. Die Professur wurde ihm aufgrund von Verwandtschaft in der Bundesrepublik noch für Jahre verweigert. Erst 1988 mit dem Wechsel an die Bergakademie Freiberg erfolgte die Berufung zum ordentlichen Professor für Informatik/ Programmierungstechnik. Wenig später wurde er Institutsdirektor, organisierte, als sich die Grenzen öffneten, die erste Kooperation mit dem Montanbereich der Freien Universität Berlin (FU).1990 zum Dekan der Fakultät für Technische Informatik berufen, ereilte ihn die Abwicklung durch die Dresdner Behörden in einer Phase höchst erfolgreichen Wirkens in Lehre und Forschung.
Danach beauftragte ihn die Universität Salzburg mit Gutachten und ermöglichte ihm eine Gastprofessur im Informatikbereich.
Seit 2002 Rentner konzentriert sich sein Wirken nun auf das einst von eigener Hand erbaute Haus und die Familie (vier Kinder, zehn Enkel).