MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Marlis und Heinz Dietrich

Von Fortuna geküsst

Marlis und Heinz Dietrich

Lehrerin und Bauingenieur / Dipl.-Ing.
08499 Mylau

Die Spiele des Lebens sind oftmals nicht fair. Dies musste auch Heinz Dietrich, geboren am 07.12.1936 in Pouch, am eigenen Leibe erfahren. Doch Fortuna küsste ihn in bitteren Stunden und deutete auf ihren Kompass, der Richtungswechsel verhieß. Nach Lehre zum Maurer besuchte er die Fachschule für Bauwesen, war mit 189Jahren schon Ingenieur und kehrte an seinen Betrieb zurück. Ab 1958 Bauleiter in Wurzen, galt eine Order vor allem der Aufgabe, die Stadt zur 800-Jahr-Feier in neuem Glanze erstrahlen zu lassen. Mit Gründung des Baukombinates Leipzig zog er in die Messestadt und wurde Abteilungsleiter „Bauvorbereitung“. Nach Anfrage war die Entscheidung gefallen, eine neue Herausforderung als Investbauleiter anzunehmen. Für den VEB Investitionsbüro für Sportbauten Berlin und mit Verantwortung für Sportstätten des Leistungssports, baute er u. a. das Ernst-Abbe-Stadion um, leitete den Um- und Neubau der Sportschule Bad Blankenburg oder widmete sich dem Neubau der Radsport-Trainingsstrecke für die Spitzenkader des Bezirkes Gera – seine beruflich schönste und interessanteste Zeit. Die nächste Überraschung wartete 1980. Der Kombinatsdirektor des VEB WBK Gera suchte hochkarätige Mitarbeiter. Heinz Dietrich wurde Betriebsteilleiter „Gesellschaftsbau“. Sich verschlechternde Arbeitsbedingungen führten ihn als Aufbauleiter für ein Heinzkraftwerk zum Rat des Kreises Reichenbach. 1988 war diese Aufgabe erfüllt, eine neue lauerte nirgends. Doch Fortuna blinzelte ihm zu. 1989 übernahm der VEB Rationalisierungsbau Berlin den gesamten Aufbaustab. Doch die Wende zerbröselten Träume. Eine Anstellung als Bauleiter in einem Privatbetrieb endete nach der Probezeit in Entlassung – ohne Begründung. Die Stadtverwaltung Lengefeld benötigte einen Bauingenieur für Wasser und Abwasser – nicht gerade das Richtige, doch was soll’s. Noch einmal schielte Fortuna um die Ecke. Heinz Dietrich erhielt eine Stelle als Amtsleiter für das Hoch-/Tiefbauamt, bis ihn Sparzwänge der Kommunen 7 Jahre später in den Ruhestand zwangen. Frührentner mit 62? Undenkbar! Es dauerte lange, sich damit abzufinden, nicht mehr gebraucht zu werden. Im Nachgang hat er es nie bereut. Arbeiten am Haus, Urlaubsziele, Frau, Kinder und Enkel sorgen für Kurzweil und zeigten Heinz Dietrich, dass er doch gebraucht wird. In Ehefrau Marlis, 1947 geboren, fand er nach dem Tod seiner früheren Frau noch einmal die große Liebe. Die studierte Pädagogin war Grundschullehrerin mit Leib und Seele. Nur die letzten Jahre, als Erziehung aus den Schulen verdrängt wurde, machten traurig. Auch sie hat im Ruhestand neue Erfüllung gefunden, bastelt mit Naturmaterialien, liest, malt, nutzt Bildbearbeitung am Computer, trifft sich mit früheren Kolleginnen und dankt Fortuna für die glücklichen Stunden mit ihrem Heinz.
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