MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Johann (Hans) und Marianne Dams
„Um Erfolg zu haben muss man entschlossen und kühn sein.“ (Anton Tschechow)
Maschinenschlosser, Technischer Zeichner,
Dipl.-Ing. (FH) für Kraft- und Arbeitsmaschinen
Industriekauffrau, Dipl.-Betriebswirtin (FH)
Erich-Weinert-Str. 15
04808 Wurzen
Fon: 03425 / 815970
Johann Dams wurde am 25.12.1938 als Sohn eines ostpreußischen Waldarbeiters und einer weißrussischen Köchin in Zabludow geboren. 1939 kam die Familie nach Wurzen – eine Flucht in Folge des beginnenden Krieges mit dem Überfall auf Polen und der Vertreibung der Deutschen aus den polnischen Ostgebieten die von der Sowjetunion besetzt wurden. Sohn Johann oder besser Kurzform Hans genannt, besuchte 1945–1953 die Schule, lernte danach den Maschinenschlosserberuf im VEB Maschinenwerk und Eisengießerei Wurzen (MaFa Wurzen). Kaum hatte er ausgelernt, konnte er ins technische Büro wechseln und mit einem weiteren Ausbildungsjahr den Abschluss als Technischer Zeichner erlangen. Zwei Jahre arbeitete er entsprechend, wurde dann zum Studium an die Ingenieurschule für Arbeits- und Kraftmaschinenbau nach Meißen delegiert (1959–1962), die als Ingenieur abschloss Nach der Wende Anerkennung als Dipl.-Ing. (FH). Zurück im Betrieb arbeitete er fortan als Ingenieur in der Maschinenkonstruktion und als Leiter Standardisierung bis zur politischen Wende in der DDR. Mit der nun folgenden Übernahme des Betriebes durch einen westdeutschen Betreib und Investor und Umstrukturierung in die Neuman & Esser Deutschland GmbH & Co KG setzte bei den Mitarbeitern ein ungewohnter Druck und Existenzangst ein. Wird man übernommen werden? Wie und wie lange wird es weitergehen? Würden die Qualifikationen anerkannt? Der Betrieb wurde in mehrere Teile zerstückelt, es entstanden neue selbstständige Betriebe. Von ca. 800 Mitarbeitern wurden ca. 150 von der Firma Neuman & Esser übernommen. Johann Dams hatte Glück und konnte bleiben. Allerdings war das an die Bedingung geknüpft in Übach-Palenberg bei Aachen tätig zu werden. 50-jährig und mit der Aussicht bei Ablehnung die Kündigung zu erhalten, biss er in den sauren Apfel. Hier arbeitete er 1 ½ Jahre in seinem Beruf. Auch seinem Hobby als Tanzkapellenmusiker und Leiter des Topelli-Swingtetts konnte er nicht mehr nachgehen. 45 Jahre hatte er mit den „Topelli’s“ zum Tanz aufgespielt. „Nun gab es keine Tanzabende, Betriebsvergnügen, LPG-Feste, Kampfgruppenfeiern....– all das gab es nicht mehr. Die Tanzsäle waren plötzlich leer, die Gastronomie schloss reihenweise Einrichtungen....“ berichtet er vom Sterben der Kultur. Im Jahr 2003 trat er in den Ruhestand. Seither ist er Gärtner, Hausmeister, Förster, Tischler, Zimmermann auf seinem großen Wochenendgrundstück erzählt er lachend. Mit Ehefrau Marianne ist er seit 1966 verheiratet. Sie, 1944 in Breslau geboren, verlor zeitig den Vater. Die Mutter fand neues Glück und die 17-jährige Marianne konnte sich über eine kleine Halbschwester freuen. Sie erinnert sich noch, wie beim Windelkauf auf Marken die Verkäuferinnen glaubten, sie wäre die junge Mutter. Nach Abschluss der 10. Klasse lernte sie 1960–1963 den Beruf Industriekaufmann
im VEB MaFa Wurzen, blieb im Anschluss als Facharbeiterin dort tätig. 1967 wechselte sie den Betrieb, war fortan in der Verwaltung der Produktionsgenossenschaft des Holzhandwerks Wurzen (PGH HOHAG) tätig. 1970 wurde Sohn Jan (Dipl.-Journalist) geboren. Marianne absolvierte ein Fernstudium Betriebswirtschaft (nach der Wende Anerkennung als Dipl.-Betriebswirt (FH), wurde nach Abschluss als Hauptbuchhalter eingesetzt und erlebte in dieser Funktion die Wende. Die PGH war 1972 in einen VEB gewandelt worden und musste nun wieder in eine PGH zurück geführt werden. Der Run auf Geldeinlagen-Erstattung ehemaliger Mitglieder begann und letztendlich blieb von dem Betrieb nicht viel übrig. Marianne Dams nutzte ein Angebot in das Dortmunder Bildungswerk nach Bennewitz zu wechseln und war hier mit der Ausbildung von Bürokaufleuten betraut. Viele Menschen, die durch die Wendebedingten Strukturänderungen in allen großen Wurzener Betrieben auf den Arbeitsmarkt „gespuckt“ wurden saßen nun bei ihr auf der Schulbank mit der Hoffnung durch Weiterbildung der Arbeitslosigkeit entfliehen zu können. Doch „von der Weberin zur Bürokauffrau“ war für Auszubildende und Ausbilderin ein teilweise unmögliches Unterfangen. Nach drei Jahren ließ Marianne Dams diese unerfreuliche Tatsache hinter sich. Sie nahm die Arbeit in einer Steuerkanzlei auf, durchlief nun selbst eine Weiterbildung im Steuerrecht um den neuen Aufgaben gerecht zu werden die sie bis zur Rente (2004) ausübte. Mit Ehrgeiz und Konsequenz haben die Dams ihr Leben bewältigt, sich als sporadischer Mensch (er) und ruhender Pol (sie) immer gut ergänzt. Sie sind stolz auf den Sohn und seinen Weg und freuen sich über ihren Enkel, dessen Entwicklung sie neugierig beobachten und gerne unterstützen wollen.