MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Erwin Daniegel

Das schönste Möbelstück einer Famile

Erwin Daniegel
Fotochemiker

08209 Auerbach

Spricht er über seine Kindheit, dann erzählt er von Vertreibung und Flucht, vom frühen Tod der Eltern, von schwerer Feldarbeit… Geboren wurde Erwin Daniegel im November 1935. Sein Zuhause war das schlesische Kadlau, später dann Breslau. Bis zum September 1946 lebt er mit seinen Eltern in dieser Stadt. „Dann kam die Miliz, trieb uns aus den Häusern, ließ uns in den Glauben, jetzt müssten wir raus. Währendessen räumten Polen unsere Wohnungen aus“, erinnert sich Erwin Daniegel. Einmal geht es dann doch nach Deutschland. Zuerst nach Salzkotten in Westfalen. Schon bald verliert er den Vater, kurz darauf die Mutter. Allein wird der 11jährige bei einem Bauern in einem Dorf nahe Paderborn einquartiert. Der Junge hat es nicht leicht. Nach der Schule muss er oft bis spät abends die Kühe hüten oder auf dem Feld arbeiten. Nach der 9. Klasse verlässt Erwin Daniegel die Schule. Eigentlich sei er in anbetracht der Umstände sehr viel weniger Jahre zur Schule gegangen, meint er. In Paderborn lernt er Huf- und Wagenschmied und schult dann um zum Feinmechaniker. Nach 15 Jahren in seinem Beruf bietet ihm ein Fotogroßlabor eine Stelle als Lagerverwalter an. Erwin Daniegel reizt die neue Aufgabe, und er nimmt sie an. Nach einem halben Jahr stirbt der verantwortliche Chemiker. “Und ich wurde verdonnert, den Job zu übernehmen, “ so Erwin Daniegel. Wieder schult er um, wird Fotochemiker. Die Branche sei schon damals sehr schnelllebig gewesen. Ohne jährliche Weiterbildung sei da nichts gegangen, betont Erwin Daniegel. 30 Jahre entwickelt er Filme und reicht zahlreiche Patente ein. Unter anderem eine Methode zur Silberrückgewinnung, für die sich auch die USA interessierten. Erwin Daniegel erleidet einen Herzinfarkt. 1998 geht er in den Ruhestand. Der 75jährige ist ein bekennender Christ. Er gehört der neuapostolischen Kirche an, der viertgrößten Religionsgemeinschacht in Deutschland. „Ich akzeptiere jeden Menschen als Geschöpf Gottes“, sagt Erwin Daniegel, der in seiner Kirche als Laienprediger seelsorgerisch wirkte. Dank der christlichen Gemeinschaft habe er auch in der Fremde recht bald ein Zuhause gefunden. Denn man fühle sich so, wie man sich einbringe. Kurz vor der Goldenen Hochzeit verliert er seine Frau Else. Er zieht von Paderborn zu den Kindern nach Auerbach. Erwin Daniegel ist dankbar für eine Familie, in der Harmonie herrscht, in der jeder „den rechten Weg geht“. Im häuslichen Frieden sieht er das „schönste Möbelstück, das eine Familie besitzt“.
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