MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Johanna und Günter Clauß
„Wie du gesät hast, wirst du ernten.“ (Marcus Pinarius Rufus)
Feinstrumpffacharbeiter
Landwirt
Weitzschenhain 5
01623 Lommatzsch
Fon: 0343241 / 21924
Mit einer Schwester zusammen wuchs der 1937 geborene Günter Clauß auf dem landwirtschaftlichen Hof seiner Eltern in Praderschütz auf. Er spricht von einer schönen Kindheit, trotz Kriegs-und Nachkriegsjahren und der späten Rückkehr des Vaters aus der Gefangenschaft im Jahr 1947. Dem Schulbesuch 1943–1951 folgte der Besuch der landwirtschaftlichen Berufsschule in Lommatzsch und die Arbeit auf dem Hof des Vaters. 1960 trat der Vater der „LPG Lommatzscher Pflege“ bei und auch Sohn Günter wurde Mitglied der Genossenschaft. „Da habe ich alle Sorten von Maschinen gefahren, mit einem Lanz-Traktor begonnen, den ich heute noch habe und auch manchmal fahre,“ erzählt er davon. Die politische Wende in der DDR brachte die Sorge um den Arbeitsplatz mit sich. Doch das Problem löste sich schnell. Der Traktorist wurde übernommen, trat 1993 in den Vorruhestand und danach in die Rente. „Auch nebenher haben wir viel gearbeitet, z. B. 32 Jahre lang Tabak angebaut, das brachte in der DDR-Zeit gutes Geld ein...,“ berichtet er vom täglichen Tun nach der Arbeit. Den Hof erhielten sie nach der Wende zurück, doch er befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Die Instandsetzung realisierten sie mit der erhaltenen Entschädigung und Fördermitteln. Heute wohnen sie wieder in eigenem Haus. Ihr Land haben sie der Agrargenossenschaft verpachtet. Johanna Clauß zeigt eine Luftaufnahme vom Anwesen und kann daran gut die Veränderungen beschreiben. Sie, 1937 geboren, wuchs mit einem jüngeren Bruder auf. Eine kleine Wirtschaft hielt die Familie über Wasser, neben der Arbeit der Mutter in der Papierfabrik, denn der Vater war im Krieg gefallen und sie stand mit den Kindern alleine da. In den letzten Kriegstagen fielen Bomben auf den Hof. Die Scheune, das Dach vom Wohnhaus und die hintere Hauswand wurden zerstört. Die Familie musste ausziehen. Doch trotz allem verstand es die Mutter den Kindern Geborgenheit zu vermitteln, was Johanna Clauß heute noch bewundert und erklärt eine schöne Kindheit gehabt zu haben. Dem Schulabschluss folgte eine Lehre zum Feinstrumpffacharbeiter. Bis 1964 arbeitete sie danach weiter in ihrem Ausbildungsbetrieb, dann heiratete sie ihren Mann und zog zu ihm. 1969 wurde Tochter Sibylle geboren (Gärtnerin, zwei Kinder). Johanna Clauß arbeitete zwei Jahre auf der Gemeinde Wuhnitz als Schreibkraft, wechselte dann in den Schulhort als dort Arbeitskräfte gesucht wurden. Viele Jahre später gab sie die Tätigkeit auf weil ihre Mutter pflegebedürftig wurde und ihrer Hilfe bedurfte. Seit 2002 ist sie Rentnerin. Familie Clauß ist stolz darauf, dass sie den Hof erhalten konnte. Sie schreiben es ihrer Zielstrebigkeit zu und freuen sich, dass ihre Tochter erklärt hat das Anwesen einmal zu übernehmen zu wollen. Beide arbeiten gerne noch im Garten und Günter Clauß genießt den wöchentlichen Austausch am Stammtisch mit ehemaligen Kollegen.