MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingrid Claus
„Alter – ist die Zeit, wo die Erinnerung an die Stelle der Hoffnung tritt.“ (Wilhelm Raabe)
Näherin
Rinnmühlenstr. 1
04680 Colditz OT Erlbach
Fon: 034381 / 43291
In Erlbach wurde sie 1932 als Ingrid Kunze geboren. Hier ist sie heute noch Zuhause. Vier Kinder waren sie und vermissten zeitig den Vater. Zuletzt in Odessa stationiert, verlor sich dort seine Spur als das Mädchen Ingrid erst sechs Jahre alt war. Die Mutter hatte es schwer mit den vier Kindern, denn Unterstützung erhielt sie vorerst nicht. Sie konnte bei den Ämtern weder eine Mitteilung vorweisen, dass ihr Mann gefallen war, noch eine, dass er vermisst sei. Er war „einfach nicht mehr da“. Es ging also arm zu in der keinen Familie. „Wir hatten zwei Handtücher Feld und alle mussten helfen“ erzählt sie davon. 1939–1947 besuchte das Mädchen Ingrid die Schule. Schneiderin wollte sie gerne werden, Näherin wurde sie – aber erst viel, viel später. Nach Ende er Schulzeit musste sie schnell Geld verdienen. „Strohschuhe haben wir geflochten, auf Schuhleisten aufgenäht und zusammengebündelt. Mit dem Handwagen haben ein paar andere Mädchen und ich sie dann von Erlbach nach Lastau geschafft.“ Erinnert sie sich daran und auch wie sie selbst später auf Punktkarte ihre ersten Stoffschuhe kaufen konnte und die Ära der Strohschuhe endete. Meine ersten Tanzgänge waren mit Absatzschuhen aus buntem Stoff“, lacht sie heute. Aber damals war das sehr ernst. Bei langen Fußwegen in Winters Kälte drohten Erfrierungen. In einem Fleischereihaushalt in Leipzig ging sie für drei Jahre in Stellung. Alles änderte sich, als sie ihren Mann Hans (Maurer, verstorben 2002) kennenlernte. Die beiden heirateten 1952. Tochter Martina wurde 1953, Sohn Michael 1960 geboren. Beide haben später für drei Enkel gesorgt. Ingrid Claus war froh über diese Entwicklung. Die Anstellung bei den Fleischerleuten gefiel ihr nicht sonderlich und auch deren Wunsch, sie solle sich zur Verkäuferin qualifizieren, ging nicht mit ihren eigenen Vorstellungen einher. Dass Tochter Martina schwer krank war, viele Operationen, Krankenhausaufenthalte und Gips-Bett notwendig wurden, stellte für das junge Paar eine große Herausforderung dar. Ingrid Claus konnte in dieser Zeit keiner Arbeit nachgehen. Erst nach Michaels Geburt und mit Hilfe und Unterstützung ihrer Mutter konnte Ingrid Claus ab 1962 wieder stundenweise tätig werden. In den VEB Hausschuhwerken Hartha arbeitete sie als Näherin und Stepperin bis zur politischen Wende in der DDR und nachfolgendem Stellenabbau im Betrieb. Mit 58 Jahren wurde sie mittels Altersübergangsregelung in den Ruhestand versetzt. Der große Garten war neue Herausforderung und kleiner Zuverdienst. „Ich weiß, wie Radieschen gebündelt werden....“ erzählt sie, und davon wie Ihre Mutter schon jede Woche mit dem Kinderwagen das Selbstangebaute auf den Markt nach Geringswalde fuhr. Alles was wuchs und was die Ziegen hergaben (Ziegenkäse, Butter...) wurde verkauft. „Wenn ich an meine Mutter denke: Was muss die durchgemacht haben. Mit vier Kindern alleine, die Kinder in die Berufe und aus dem Haus bringen....“, sagt Ingrid Claus und auch, dass sie selbst wunschlos glücklich ist. Das besonders, weil sie sich heute ausruhen kann – obwohl sie noch immer gerne in ihren Garten geht.