MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Günter und Elke Daate
„Es gibt immer einen Weg, man muss nur wollen.“ (Günter Daate)
Agraringenieur
Wirtschaftshelferin, Agrotechnikerin
Str. der Einheit 23 a
04769 Naundorf
Als eins von zwölf Kindern wurde Elke Daate (geb. Sonnenburg) 1952 geboren. Die Drittälteste musste beizeiten mit für die jüngeren Geschwister sorgen. „Mutter hatte das Sagen und es hat funktioniert“ erzählt sie heute davon. 1959–1967 absolvierte sie die Schule. Acht Klassen Schulbildung mussten reichen, denn zeitige Selbstständigkeit war bei einer Großfamilie wichtig. Einen Berufswunsch hatte das Mädchen Elke deshalb nicht entwickelt. Vom Vater war bereits bestimmt: „Du gehst ins Krankenhaus. Dort kannst du putzen.“ So wurde sie Wirtschaftsgehilfin in der Klinik Oschatz. Für einen besseren Verdienst wechselte sie erst als Küchenhilfe in den VEB Kombinat Glasseide Oschatz und nach der Hochzeit (1974) mit Günter Daate in die LPG Naundorf. Hier nahm sie die Möglichkeit wahr doch noch eine Ausbildung zu durchlaufen. Sie wurde Agrotechnikerin und arbeitete bis zur Wende im Pflanzenbau. „Wir Frauen wurden dann nicht mehr gebraucht“ erzählt sie von ihrem Gang in die Arbeitslosigkeit. Eine Umschulung zur Hauswirtschaftlerin empfand sie als Beschäftigungsmaßnahme statt Chance am Arbeitsmarkt. Von Kindesbeinen an hatte sie in diesem Bereich praktische Erfahrungen. Berufliche Anfänge lagen dort begründet. Und: Indessen hatte die Familie selbst drei Kinder. Angela (Einzelhandelskauffrau) war 1974 geboren worden, Thomas (Fliesenleger) 1977 und Matthias (Einzelhandelskaufmann) 1987. Elke Daate hatte also mehr als genug gemanagt was Hauswirtschaft betraf! Sie entschloss sich für eine zweite, sinnvollere und perspektivreichere Umschulung zur Fußpflegerin. Erfolgreich ist sie in dieser Branche indessen seit 1997 tätig (seit der Rente nebenberuflich). „Es hat mich erfüllt“ berichtet sie davon, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ehemann Günter Daate ergänzt: „Das war eine schwierige Zeit nach der Wende. Die Ereignisse zwangen zur Neufindung. Vorstellungen und Ideale waren plötzlich nicht mehr gültig. Alles drehte sich darum bloß nicht arbeitslos zu werden oder zu bleiben.“ Er, 1948 als Sohn von Landwirten geboren, trat nach der Schule in deren Fußstapfen. Seine Lehre im Volksgut Mügeln zum Agrotechniker währte drei Jahre (1962–1965). Eine schwere aber schöne Arbeit folgte in den weiteren Jahren, aber und auch die berufliche Weiterentwicklung: 1965–1968 studierte er an der Fachschule Döbeln, schloss als Agraringenieur ab. Jung an Jahren und in Leitungsfunktion tätig, musste er sich erst daran gewöhnen andere Menschen anzuleiten. Schon bald unterstanden dem jungen Brigadier 25 Frauen und 10 Männer. Er meisterte jede Herausforderung, genoss den Umgang mit Mensch und Tier und den täglichen Zugang zur freien Natur. Die Umwandlung der LPG in eine Kooperation erlebte er, den Bau einer Milchviehanlage und nach der Wende die Gründung der Agrargenossenschaft und mit ihr veränderte Sichtweisen und persönlich tiefe Einschnitte. Die „Wendehälse“, einst Politikmacher, dann Verleugner und Eiferer ärgern ihn bis heute. Ebenso die damals einsetzende Jagd auf Filetstücke der einstigen DDR-Landwirtschaft. Mit 65 Jahren ging er in die Rente, fungiert aber noch ehrenamtlich als Aufsichtsratsvorsitzender seines ehemaligen Betriebes. Die Eheleute nutzen ihre freie Zeit für den Garten und die Familie. Es fehlt ihnen an Glaubwürdigkeit in der Politik und sie vermissen die Übereinstimmung von Wort und Tat. Ein wenig Besorgnis kommt da schon bei ihnen auf, denn schließlich sollen ihre Kindern und die beiden Enkel eine Zukunft in diesem Land haben.