MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Siegfried Dallmann

„Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort“

Siegfried Dallmann

Theologe
Superintendent i. R.
08373 Remse

Für den 1934 in Stettin geborenen Siegfried Dallmann war der Weg ins evangelische Pfarramt keineswegs vorgegeben. Die Eltern bezeichneten sich zwar als „gottgläubig“, waren aber von einem Pfarrer abgrundtief enttäuscht worden. So wurde er mit zwei jüngeren Brüdern erst mit zwölf Jahren getauft und zwei Jahre später konfirmiert. 1943 – der Vater war im Krieg – musste die Mutter mit drei Kindern (sieben und fünf Jahre sowie drei Monate alt) nach einem schweren Bombenangriff Stettin innerhalb von zwei Stunden verlassen. Die Fahrt aus der brennenden Stadt endete im Ostseebad Sellin auf Rügen. Ein Jahr später gelang die Umsiedlung zu den Großeltern in Triebes (Thüringen), allerdings in völlig beengte Verhältnisse. Sämtliches Hab und Gut war verloren gegangen. Als die Thüringer Kirche 1949 in Eisenach ein neues Schülerheim eröffnete, schickte der Ortspfarrer ihn und einen Nachbarjungen zur Aufnahmeprüfung. Für die 30 Plätze kamen 150 Bewerber, meistens Pfarrerssöhne. Nach dem Abitur 1953 am altsprachlichen Gymnasium wurde ihm an der Universität Leipzig ein Studienplatz statt in Psychologie in Theologie zugewiesen. Da der Vater im Erzbergbau tätig war, galten die Söhne als "Arbeiter- und Bauernkinder" und durften studieren. Nach dem Vikariat in Jena-Lobeda lernte er in Eisenach seine Frau Adelheid geb. Ulbricht kennen, mit der er seit 1961 über 47 Jahre verheiratet war. Als Pfarrer und Kirchenmusikerin gingen beide nach Teichwolframsdorf in Ostthüringen und waren dort fast 30 Jahre tätig, u. a. in der Krankenhausseelsorge. Ihr „Bastelkreises“ stellte kunstgewerbliche Artikel her. Deren Erlös reichte für 60 neue Stühle im Gemeindesaal. 1981 wurde die Kirche in Eigenleistung restauriert. Die Frau holte nach Feierabend die Bauleute zusammen, der Pfarrer kletterte mit Bauhelm und Wattejacke bis an die 35 m hohe Kirchturmspitze, um die Arbeiten zu leiten und zu beaufsichtigen. 1992 wurde Siegfried Dallmann als Superintendent nach Bad Lobenstein berufen. Es waren schwere Zeiten. Alle, die bis zur Wende an der innerdeutschen Grenze tätig gewesen waren, hatten ihre Posten verloren und ließen ihren Frust an der Kirche aus. So musste die Frau den gesamten Kantorendienst – ehrenamtlich! – übernehmen. 1971 hatte das Ehepaar ein erst drei Tage altes Kind aufgenommen und adoptiert. Sie nannten es Donata („die Geschenkte“). Heute lebt sie in Oberbayern. Die beiden Enkelsöhne sind 16 und 12 Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod der Ehefrau 2008 traf Siegfried Dallmann 2011 seine jetzige Altersgefährtin Christiane Lätsch, deren Schwiegermutter in Teichwolframsdorf er lange und gut kannte. Jetzt wohnen beide in zwei Einfamilienhäusern nebeneinander. Lesen und reparieren sind die Hauptbeschäftigungen des Pensionärs. Die Büchersammlung würde für eine Buchhandlung reichen!
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