MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Susanna Damerow
Mit festem Kompass durch die Umbrüche des Lebens
Diplom-Philosophin
Finanzkauffrau
99096 Erfurt
Susanna Damerow wird am 3. März 1937 in Erfurt geboren und verbringt ihre ersten Schuljahre überwiegend im Luftschutzkeller, der Krieg fordert sogar von den völlig unschuldigen Kindern seinen Tribut. Der Vater bleibt im Krieg, die Mutter zieht die einzige Tochter allein groß. Durch Beziehungen erhält sie eine Lehrstelle in der ETAMA, einem privaten Etikettenbetrieb, wo sie zur Industriekauffrau ausgebildet wird. Nach dem Abschluss der Lehre arbeitet Susanna Damerow hier in der kleinen Kaderabteilung des Unternehmens und engagiert sich nebenbei als Sekretärin der Grundorganisation der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Im Betrieb und Jugendverband wird man auf sie aufmerksam und delegiert sie zum Philosophiestudium. Sie tritt aus freien Stücken in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ein. In diesen Jahren lernt Susanna Damerow ihren Mann Ludwig kennen, der später in leitenden Funktionen im Erfurter Wohnungsbaukombinat tätig ist. Im Jahr 1963 heiraten sie, vier Jahre später wird die Tochter Grit geboren, die heute als Sozialpädagogin in Berlin arbeitet. Die ein Jahr später geborene Tochter Anke arbeitet heute in der Sparkasse am Domplatz in Erfurt. Zur Familie gehören drei Enkelkinder.
„Guten Tag, da bin ich“ ist die Antrittsrede von Susanna Damerow, als sie sich nach dem Studium an der Pförtnerloge der Bezirksparteischule der SED in Erfurt um eine Stelle bewirbt. Bis 1989 ist sie hier als Dozentin tätig. Nach der Auflösung des Lehrkörpers erinnert sie sich an ihre ursprüngliche Ausbildung, kommt als Industriekauffrau unter und beginnt ein Fernstudium als Finanzbuchhalterin. „Ich habe in dieser Zeit auch meine Ellenbogen benutzt“, erklärt Susanne Damerow ohne Schönfärberei. Als eine neue Geschäftsführerin 1995 den Betrieb übernimmt, gibt es sofort Konflikte, dieser sind die Raten für ihren BMW wichtiger als die Löhne der Belegschaft. Darauf geben auf einen Schlag mehrere Mitarbeiter ihre Kündigung ab, kurz darauf muss der Betrieb Konkurs anmelden. Susanna Damerow hat das Glück, nach zwei Monaten Arbeitslosigkeit sofort in Rente gehen zu können. „Ich habe in der Zeit ab 1990 viele neue und auch bittere Erfahrungen sammeln können und müssen, vieles von dem, was ich vorher gelehrt hatte, erlebte ich nun als eine Realität“, erinnert sich die Philosophin und teilt damit die Erfahrungen von vielen Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern. „Viele von denen, die mich 1990 plötzlich nicht mehr kennen wollten, sind mittlerweile wieder ganz freundlich zu mir“, meint Susanna Damerow humorvoll. Sie selbst ist ihrer Überzeugung treu geblieben und hält bis heute der Partei „Die Linke“ die Treue, auch die Töchter teilen die Überzeugung der Mutter. Diese ist heute ein glücklicher und zufriedener Mensch und vor allem stolz auf ihre Familie.