MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dieter und Helga Böttcher
Kein optimaler Start ins Leben und doch so viel erreicht!
Fräser, Meister der volkseigenen Industrie
Landwirtin, Facharbeiter Qualitätskontrolle
Heinrich-Heine-Str. 18
09405 Zschopau
Dieter Böttchers Kindheit wurde durch den Krieg und die Nachkriegszeit so stark geprägt, dass ihm heute noch die Erinnerungen daran sehr nahe gehen. 1937 in Ostpreußen geboren und vorerst eine behütete Zeit in der Familie genießend wurde er am 03.05.1945 gegen 22.00 Uhr jäh aus dem Schlaf gerissen, als die Nazis seinen, ihren Ansichten konträr gegenüberstehenden, Vater abholten. Er konnte nicht mehr einschlafen, spürte den Ernst und die Besonderheit der Situation. Eine Woche später fand man seinen Vater: Ermordet und in einem Schotterhaufen verscharrt. Eine sehr schwere Zeit brach nun für die alleinerziehende Mutter und ihn an, denn auch die Heimat mussten sie danach bald verlassen. In Zschopau wuchs er weiter auf, besuchte die Schule und schloss sie mit der 8. Klasse ab. Im Motorradwerk Zschopau erlernte er den Fräser-Beruf, blieb nach der Ausbildung dort tätig. Neben der Arbeit erlangte er auf der Abendschule den Meisterabschluss und war fortan als solcher bis 1992 tätig. Die politische Wende in der DDR hatte vieles verändert. Betriebe wurden geschlossen, Strukturen angepasst, Menschen verloren ihre Arbeit, mussten sich neu orientieren – auch Dieter Böttcher. Über den Vorruhe- trat er in den Ruhestand. Ähnlich erging es seiner Frau Helga, die im gleichen Betrieb den Wandel der Zeit erlebte. Sie, 1941 geboren, war damals erst 51 Jahre alt und hätte noch neun Jahre arbeiten müssen. Nachdem ihr Vater 1942 im Krieg fiel, war ihre Mutter mit ihr und ihrem Bruder nach Griesbach gezogen. Hier besuchte das Mädchen Helga acht Jahre die Schule, lernte in der Landwirtschaft und wechselte danach in das Motorradwerk Zschopau, in dem auch ihre Mutter arbeitete. Auch sie qualifizierte sich nochmal, wurde Facharbeiter für Qualitätskontrolle. Die Silvesterfeier 1958/59 stellte private Weichen. Dieter und Helga Böttcher lernten sich kennen und lieben. 1962 heirateten sie, 1965 und 1967 wurden die Kinder Katrin (Zahntechnikerin, zwei Kinder) und Uwe (Lehrer, zwei Kinder) geboren. Zur Erziehung und Betreuung der Kinder unterbrach Helga Böttcher ihre Berufstätigkeit, nahm später wieder die Arbeit im Motorradwerk auf. 1992 endete jedoch auch ihr Beschäftigungsverhältnis dort. 1971 bezog das Paar das heute bewohnte Haus in dem ihre Kinder schöne erste Jahre verlebten, weshalb sie heute immer wieder gerne hier einkehren – wie auch indessen die Enkel. „Wir bekommen viel von unseren Kindern zurück, die sind ganz, ganz lieb....Erst heute früh war unsere Tochter wieder da zum Kaffeetrinken....“ sagt Helga Böttcher mit Tränen der Rührung in den Augen. Und beide Böttchers denken in dem Zusammenhang auch an die eigenen Mütter denen sie sehr dankbar sind und vor deren Lebensleistung sie sich noch heute verneigen. Der Garten und das Autofahren sind jetzt freudvolle Beschäftigungen. Und der einst aktive Kegler Dieter Böttcher lenkt heute ehrenamtlich die Geschicke des Zschopauer Kegelvereins. Helga Böttcher geht seit vielen Jahren und sehr gerne zur Wassergymnastik. Beide Eheleute möchten nämlich gesund bleiben, damit sie lange selbstständig leben und handeln können.