MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Angela Claus
Neuland zu betreten, das hat sie beruflich immer gereizt
Textilingenieurin FH, selbstständig
09232 Hartmannsdorf
Sie ist eine Frau der Tat. Das hat Angela Claus, Jahrgang 1948, aus dem sächsischen Hartmannsdorf bei Chemnitz bereits von Kind an bewiesen. Aufgewachsen mit einer jüngeren Schwester in einem handwerklich orientierten Elternhaus (Eltern führten eine Rundfunk- und Fernsehmechanikerwerkstatt), ging Angela von 1954-1962 in Rußdorf zur Schule und danach vier weitere Jahre zur Erweiterten Oberschule (EOS) in Limbach-Oberfrohna. Sie genoss eine behütete Kindheit in der Obhut von Eltern und Großeltern, alle wohnten zusammen. Parallel zum Abitur machte Angela noch eine Berufsausbildung zur Konfektionärin (Näherin). Ihr Lehrbetrieb, der VEB Feinwäsche in Limbach-Oberfrohna, delegierte die handwerklich sehr geschickte junge Frau zum Studium an die TU nach Dresden, um dort Textiltechnik zu studieren. Nach dem ersten Semester war Schluss, denn Angela bekam 1967 ihr erstes Kind – Sohn Torsten (Kfz.-Mechanikermeister) mit Ehemann Gerd Claus (Dipl.-Ing. für Maschinenbau, von 1967-2013 verheiratet, verstorben 2013). Ihr Studium setzte Angela Claus in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) fort. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in ihrem Ausbildungsbetrieb in der Wissenschaftlichen Arbeitsorganisation. Um mehr Geld zu verdienen, wechselte sie von der Feinwäsche zu Textima Projekt in Burgstädt. Angela Claus blieb nur ein Jahr dort und bewarb sich bei Goldpfeil (später Robotron, dann ELCON). Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie in dem Betrieb, der Magnetköpfe für Tonbandgeräte und Kofferradios herstellte, zehn Jahre beschäftigt. Dann kam 1981 Tochter Isabell (gelernte Bankkauffrau, dann DR. für internationale Betriebswirtschaft) zur Welt. Angela Claus pausierte ein Jahr lang und bewarb sich als TKO-Leiterin in einem Betrieb, der Damenmoden für den Exquisithandel in der DDR produzierte. Dieses Neuland reizte sie und sie spricht heute von ihrem „Traumjob“, den sie bis zur Wende ausübte. Am 2. Juli 1990 eröffnete sie als selbstständige Unternehmerin ihr eigenes Geschäft, ein Laden dafür bot sich familiär an. Mit ihrer 2. Quelle-Versandhaus-Agentur in Ostdeutschland startete die gebürtige Sächsin, die vier Enkelkinder hat, nochmal richtig durch. Auch Lotto-, Poststelle und Annahme für Reinigung ermöglichte Angela Claus den Kunden in ihrem Geschäft. Ebenso konnte sich die Kundschaft Sofort-Passbilder anfertigen lassen. Als Kämpfernatur und Organisationstalent stellte sich die umtriebige Chemnitzerin ständigen Neuanfängen. Sie ist stolz auf ihre Lebensleistung, ging nach 26 Berufsjahren in der Selbstständigkeit mit 68 in Rente. Heute findet sie, die früher Tennis und Klavier gespielt hat, ihre vier Enkel spannend und geht gern auf Reisen. Haus, Hof und Garten lassen keine Langeweile aufkommen und ihr kleiner Hund sorgt für regelmäßige Bewegung. Angela Claus legt noch immer nicht die Hände in den Schoß. Sie betreut Gäste in ihrer Ferienwohnung, vermietet Wohnraum und hält alles in Schuss. Ihre Kinder, die weit weg von der Heimat wohnen, würde sie gerne öfter sehen.